Missratenes Debüt: Effenberg scheitert in Paderborn

Viele Schlagzeilen, wenig Siege - Stefan Effenberg ist bei seinem Einstand in den Trainerjob krachend gescheitert. Nach nicht einmal fünf Monaten ging die von diversen Affären begleitete Arbeit des einstigen Weltklasse-Profis beim Fußball-Zweitligisten SC Paderborn zu Ende.

Missratenes Debüt: Effenberg scheitert in Paderborn
Ralf Stockhoff Missratenes Debüt: Effenberg scheitert in Paderborn

Nicht nur aus Enttäuschung über den erneut tristen Auftritt des Tabellen-Vorletzten beim 0:0 am Dienstag in Karlsruhe beendete Wilfried Finke rund 24 Stunden später die Zusammenarbeit mit dem Coach: «Ich konnte es zum Schluss nicht mehr ertragen, wie der Verein dastand», bekannte der Vereinspatron in der «Bild».

Neben der desaströsen sportlichen Bilanz mit zuletzt 13 Pflichtspielen ohne Sieg gaben andere, für den Verein zunehmend imageschädigende Faktoren den Ausschlag. Spätestens nach der jüngsten Aufregung über die von Effenberg versäumte Fortbildung zur Verlängerung seiner 2012 erworbenen Trainerlizenz war die Geduld von Finke endgültig aufgebraucht.

Per Telefonat aus seinem Urlaubsdomizil Mallorca informierte die Paderborner Allmacht den Gellhaus-Nachfolger über die Trennung. «Ich habe Stefan Effenberg eine Jobgarantie gegeben, um den medialen Druck von unserem Verein wegzunehmen. Aber das Ganze hat sich in letzter Zeit wieder hochgeschaukelt, zuletzt mit der Trainerlizenz-Affäre», bekannte Finke mit Verweis auf seine Kehrtwende. Schließlich hatte er dem «Tiger» noch vor wenigen Tagen das Vertrauen ausgesprochen.

Die mutige Wahl des Bundesliga-Absteigers, dem Champions-League-Sieger von 2001 zu seinem Trainerdebüt zu verhelfen, machte sich damit nicht bezahlt. Nur in den ersten beiden Spielen unter der Regie des am 13. Oktober 2015 angestellten und mit einem Vertrag bis 2017 ausgestatteten Fußball-Lehrers gab es Siege über Eintracht Braunschweig und Union Berlin. Für kurze Zeit schien es, als habe Finke mit seiner Prognose zum Amtsantritt von Effenberg richtig gelegen: «Die Chemie passt. Er wird unserer Mannschaft neues Selbstbewusstsein einhauchen und auch die Fans begeistern.»

Doch die Hoffnung der Ostwestfalen auf einen Neuanfang erwiesen sich als Wunschdenken. In den vergangenen zwölf Ligaspielen verbuchte das Team lediglich sechs Punkte. Auch die Suspendierungen der Profis Daniel Brückner, Mahir Saglik und Srdjan Lakic im vergangenen Dezember konnten den Trend nicht stoppen. Zudem schürte die peinliche Affäre um Nick Proschwitz die Diskussion um Disziplinprobleme in der Mannschaft. Der mittlerweile zum belgischen Erstligisten VV St. Truiden gewechselte Angreifer hatte sich im Trainingslager in einer türkischen Hotelbar entblößt. Daraufhin forderte Finke den Coach auf, «zu liefern. Denn wenn er nicht liefert, steigen wir ab.»

Doch der Verein kam auch trotz dieser deutlichen Worte nicht zur Ruhe. Im Februar akzeptierte Effenberg einen Strafbefehl wegen Trunkenheit am Steuer nach einem Oktoberfestbesuch. Zuletzt wurde bekannt, dass er eine vorgeschriebene Fortbildung im Herbst nicht besucht hatte. Deshalb war seine Trainer-Lizenz eigentlich nicht mehr gültig. «Ich habe keinen Führerschein, meine Trainerlizenz ist abgelaufen. Aber ich habe einen guten Stoffwechsel und einen Bootsführerschein. Von daher ist alles in Ordnung», scherzte Effenberg noch vor der Partie in Karlsruhe bei «Sky».

Wer die Mannschaft nach der Trennung von Effenberg nun zum Klassenerhalt führen soll, will der Verein in einer Pressekonferenz in der Benteler-Arena an diesem Donnerstag um 14.00 Uhr bekanntgeben. Viel deutet auf eine interne Lösung hin. Als möglicher Kandidat gilt der bisherige Leiter des Nachwuchszentrums Rene Müller.