Mitten im Korruptionsskandal: Guatemala wählt neuen Präsidenten

Stadt (dpa) - Nach einem politischen Erdbeben haben die Guatemalteken über ein neues Staatsoberhaupt und die Zusammensetzung des Parlaments abgestimmt.

«Das guatemaltekische Volk lässt sich nicht noch einmal betrügen», sagte Interims-Präsident Alejandro Maldonado bei seiner Stimmabgabe. «Wer das versucht, muss mit Konsequenzen rechnen.»

Otto Pérez war wenige Tage zuvor im Zuge des schwersten Korruptionsskandals der jüngeren Geschichte des Landes als Präsident zurückgetreten. Der Ex-General sitzt in Untersuchungshaft.

In dem mittelamerikanischen Land bewarben sich 14 Kandidaten um das höchste Staatsamt. Laut Umfragen dürfte keiner der Bewerber in der ersten Runde die absolute Mehrheit erreichen. Die Stichwahl ist für den 25. Oktober geplant.

In einigen Teilen des Landes blockierten Anwohner die Zufahrtsstraßen zu ihren Dörfern, wie die Zeitung «Prensa Libre» berichtete. Sie wollten damit verhindern, dass Bewohner anderer Gemeinden dort abstimmten und damit das Wahlergebnis verfälschten.

Überschattet wurden die Wahlen von dem jüngsten Korruptionsskandal. Der zurückgetretene Präsident Pérez soll an der Spitze eines kriminellen Netzwerks gestanden haben, das im Zollwesen Millionenbeträge unterschlagen hatte. Er hätte nicht erneut antreten können. Seine Amtszeit wäre regulär im Januar kommenden Jahres zu Ende gegangen.

Neben dem Präsidenten wählen die Guatemalteken 158 Kongressabgeordnete, 338 Bürgermeister und 20 Abgeordnete des Mittelamerikanischen Parlaments, das länderübergreifend für die ganze Region zuständig ist.