Münchner Kunstkrimi - Gurlitt zahlte Steuern in Österreich

Der Münchner Bilderfund verursacht Verwicklungen. Juristisch, weil man dem Kunsthändlersohn Gurlitt wohl kein Steuervergehen anlasten kann. Und politisch, weil der Fall 20 Monate unter Verschluss blieb. Jeden Tag kommen nun neue Details ans Licht.

Münchner Kunstkrimi - Gurlitt zahlte Steuern in Österreich
Marc Müller Münchner Kunstkrimi - Gurlitt zahlte Steuern in Österreich

Nach dem spektakulären Bilderfund in München muss die Justiz ihre Steuerermittlungen gegen Cornelius Gurlitt möglicherweise einstellen. Wie die «Süddeutsche Zeitung» (SZ/Samstag) aus bayerischen Behörden erfuhr, soll der Sohn des Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt in Österreich für «bescheidene Einkünfte» Steuern gezahlt haben. Das österreichische Melderegister führe ihn mit Hauptwohnsitz in Salzburg. Damit wäre der deutsche Fiskus für Cornelius Gurlitt gar nicht zuständig. Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Steuerhinterziehung und Unterschlagung.

Die Behörden streiten sich unterdessen über die Verantwortung dafür, dass die bei Gurlitt beschlagnahmten 1400 Werke 20 Monate unter Verschluss blieben. Nach Darstellung des Justizministeriums in München soll mit dem Fall schon seit langem auch das Berliner Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen befasst sein, das zum Geschäftsbereich von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gehört. Dieses Amt kümmert sich um die Rückgabe von Kulturgütern, die während der NS-Zeit ihren Besitzern abgepresst worden sein könnten.

Bayerns Justizressort schilderte auf SZ-Anfrage im Detail, wie das Bundesamt von Anfang an unterrichtet worden sei. Diese Darstellung wies das Berliner Amt zurück und betonte dem Bericht zufolge, man habe erst Anfang November aus den Medien «von dem konkreten Ausmaß und den Hintergründen des Falles erfahren».

Wie die «Wirtschaftswoche» berichtet, wollen sich deutsche Behörden bei der Aufklärung des Kunstfunds nicht von Londoner Experten helfen lassen. Das Londoner Art Loss Register (ALR) habe seine Unterstützung angeboten, um die Herkunft der gut 1400 Werke zu ermitteln, die im Frühjahr 2012 in Gurlitts Wohnung sichergestellt wurden. Der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz habe nicht auf das Angebot reagiert. ARL ist nach Angaben der Betreiber mit 420 000 registrierten Objekten die weltweit größte privatwirtschaftliche Datenbank für verlorene oder gestohlene Kunstwerke.