Mögliche Spuren von Egyptair-Flug im Mittelmeer entdeckt

Der Egyptair-Flug MS804 von Paris nach Kairo mit 66 Menschen an Bord ist vermutlich abgestürzt. Frankreichs Präsident Hollande sprach von der Möglichkeit eines Unfalls oder eines terroristischen Hintergrunds - keine Schlussfolgerung sei auszuschließen.

Mögliche Spuren von Egyptair-Flug im Mittelmeer entdeckt
Etienne Laurent Mögliche Spuren von Egyptair-Flug im Mittelmeer entdeckt

Suchmannschaften fanden im östlichen Mittelmeer zwei orange Gegenstände, die zu dem seit Donnerstagmorgen vermissten Airbus A320 gehören könnten. Der Vorfall droht zum Flugunglück mit den bislang meisten Todesopfern des Jahres zu werden. Deutsche waren Egyptair zufolge nicht in der Maschine.

Ägyptens Regierung hielt einen Terroranschlag für plausibler als ein Unglück. Die Umstände wiesen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags wesentlich höher sei als ein technischer Fehler, sagte Luftfahrtminister Scherif Fathi am Nachmittag.

Das Flugzeug war etwa zehn bis fünfzehn Seemeilen im ägyptischen Luftraum in einer Höhe von 37 000 Fuß (knapp 11 300 Meter) ins Trudeln geraten, wie der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos sagte. «Dann machte es eine Drehung von 90 Grad nach links und danach eine andere Drehung von 360 Grad nach rechts und fiel auf eine Höhe von 15 000 Fuß. Sein Radarbild verschwand auf einer Höhe von 10 000 Fuß», sagte Kammenos, der von einem Absturz ausging.

Ein Flugzeug gerät ins Trudeln, wenn der Auftrieb an den Tragflächen abreißt. Das Flugzeug dreht sich dann unter schnellem Höhenverlust immer wilder um die eigenen Achse. Für das Trudeln kann es verschiedene Gründe geben - dass es kein Notsignal gab, spricht aber für ein plötzliches Ereignis wie etwa eine Explosion, sonst hätte die Cockpit-Crew wohl ein Notsignal gesendet. Sowohl in Ägypten als auch in Frankreich nahmen die Staatsanwaltschaften Ermittlungen auf.

Der Airbus war nach Angaben des Flughafens Charles de Gaulle um 23.21 Uhr am Mittwoch in Paris losgeflogen. Gegen 2.30 Uhr am Donnerstag - eine gute halbe Stunde vor der geplanten Ankunft in Kairo - verschwand er vom Radar. Das Flugzeug war zu dieser Zeit südöstlich der griechischen Insel Kreta und etwa 280 Kilometer vom ägyptischen Festland entfernt. Es befand sich Egyptair zufolge etwa 16 Kilometer innerhalb des ägyptischen Luftraums, als es vom Radar verschwand - dies deckt sich mit den Angaben von Kammenos.

Angehörige der Passagiere harrten am Donnerstag am Flughafen Kairo aus und wurden dort betreut. Betroffenen Familien im Ausland bot Ägypten an, sie kostenlos nach Kairo zu fliegen.

In den vergangenen Monaten hat es bereits mehrere Zwischenfälle mit Flugzeugen aus Ägypten gegeben. Ende März hatte ein Mann mit einer Bombenattrappe eine Egyptair-Maschine nach Zypern entführt. Ende Oktober war ein russischer Ferienflieger über der Sinai-Halbinsel abgestürzt, nachdem an Bord eine Bombe explodiert war. Zu der Tat, bei der 224 Menschen starben, bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

An der Suche nach dem nun vermissten A320 im Mittelmeer beteiligten sich Schiffe und Flugzeuge aus Frankreich, Griechenland und Ägypten, auch ein Containerschiff der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd nahm teil. Rund 230 Seemeilen (etwa 420 Kilometer) südöstlich der Insel Karpathos wurden zwei große orange Gegenstände gefunden, die zum Flugzeug gehören könnten. Das berichtete das griechische Staatsfernsehen unter Berufung auf den griechischen Generalstab. Das östliche Mittelmeer ist bis zu 4500 Meter tief.

Die Piloten von Flug MS804 hatten sich nach Angaben des Chefs der griechischen zivilen Luftfahrtbehörde noch gegen 1.55 Uhr (MESZ) normal bei den griechischen Behörden gemeldet und keine Probleme erwähnt. Beim Verlassen des griechischen Luftraums hätten sich die Piloten aber nicht mehr gemeldet - wie es üblich gewesen wäre.

Unter den gelisteten 56 Passagieren des Flugs MS804 waren laut Egyptair 30 Ägypter, 15 Franzosen und 2 Iraker. Deutsche standen nicht auf der via Twitter veröffentlichten Liste. Das Auswärtige Amt bemühte sich darum, bei den Behörden in Frankreich und Ägypten Gewissheit darüber zu bekommen.

Der betroffene Airbus war vor dem Unglücksflug nach Tunesien und Eritrea geflogen. Der Pilot von MS804 hatte nach Angaben von Egyptair bereits 6275 Flugstunden absolviert, etwa ein Drittel davon mit Maschinen vom Typ A320. «Bei deutschen Airlines erreicht man diese 6000 Flugstunden ungefähr nach zehn Jahren», sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Markus Wahl. «Man kann also durchaus sagen, dass er erfahren gewesen ist.»