Moskau: Pompöse Militärparade zum Jahrestag des Kriegsendes

Mit der größten Militärparade seiner Geschichte hat Russland den Sieg der Sowjetunion über Hitlerdeutschland vor 70 Jahren gefeiert.

Auf dem Roten Platz in Moskau nahm Kremlchef Wladimir Putin unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen die pompöse Waffenschau ab. In einer kurzen Rede forderte er ein weltweites Sicherheitssystem ohne militärische Blöcke. Neben Putin als Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte saß Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping als einer von mehr als 20 Staatsgästen.

Die Spitzen der Europäischen Union sowie US-Präsident Barack Obama boykottierten aus Protest gegen Russlands Rolle im Ukraine-Konflikt diesen wichtigsten Feiertag des Riesenreichs. Bundeskanzlerin Angela Merkel will mit Präsident Putin an diesem Sonntag in Moskau am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz niederlegen.

Putin nahm in seiner Rede zu Beginn der Parade indirekt Bezug auf die schwerste Krise zwischen Ost und West seit Ende des Kalten Krieges. Die Prinzipien der Nachkriegsordnung würden immer häufiger verletzt, kritisierte er. Versuche, eine «monopolare» Welt zu schaffen, nähmen zu. Nötig sei aber ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere. «Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten», betonte der russische Präsident.

Putin würdigte den «grandiosen Sieg» der Roten Armee über den Nazismus. Er hob auch die Rolle der westlichen Alliierten in der Anti-Hitler-Koalition hervor. Mit mehr als 27 Millionen Toten hatte die UdSSR die größte Opferzahl im Zweiten Weltkrieg. Viele Staatschefs von Ex-Sowjetrepubliken reisten zur Jubiläumsparade an.

Auf einer Ehrentribüne verfolgten Hunderte von Veteranen bei frühlingshaftem Wetter die gut einstündige Gedenkfeier mit mehr als 16 000 Soldaten sowie rund 200 Fahrzeugen und etwa 140 Flugzeugen. Nach einer Schweigeminute marschierten zunächst Fahnenträger mit dem «Siegesbanner» auf, einer Replik der 1945 auf dem Reichstag in Berlin gehissten Flagge der Sowjetunion.

Schweres Kriegsgerät wie die atomar bestückbare Interkontinentalrakete RS-24 Jars rollte am Kreml vorbei, dem russischen Machtzentrum. Strategische Bomber wie die Tupolew Tu-160, das als größtes Kampfflugzeug der Welt gilt, donnerten in nur 300 Metern Höhe über die Zwiebeltürme der Basilius-Kathedrale hinweg.

Erstmals präsentierte Russland der Weltöffentlichkeit auch den neuen «Superpanzer» T-14 Armata. Die rund 50 Tonnen schwere Kampfmaschine wird von den Streitkräften als Inbegriff einer neuen Panzer-Generation angepriesen. Die Parade gilt immer auch als Verkaufsschau der russischen Rüstungsindustrie.

Das Staatsfernsehen übertrug die Gedenkfeier live. Am Ende erklang zu Salutschüssen die Nationalhymne. Russland feiert das Kriegsende am 9. Mai und damit einen Tag später als der Westen, weil 1945 die deutsche Kapitulation vor den Sowjettruppen erst mit Verspätung unterzeichnet worden war. Auch in anderen Ex-Sowjetrepubliken wurde gefeiert.

Russland hatte die Feiern im sowjetischen Stil 2008 wieder aufgenommen. Im größten Land der Erde leben noch etwa drei Millionen Weltkriegsüberlebende - oft unter erbärmlichen Umständen. Veteranenverbände klagen etwa über mangelnde Sozialleistungen.