Märkte erleichtert über Einigung im US-Haushaltspoker

Die Einigung im US-Haushaltsstreit lässt die Märkte weltweit aufatmen. An den Börsen in Asien gingen die Kurse nach dem in letzter Minute erzielten Kompromiss in Washington nach oben.

Märkte erleichtert über Einigung im US-Haushaltspoker
Michael Reynolds Märkte erleichtert über Einigung im US-Haushaltspoker

In Tokio legte der Nikkei-Index im späten Handel um rund 0,5 Prozent zu. Auch Chinas Aktienmarkt legte zu, ein Kursfeuerwerk blieb jedoch zunächst aus. Entspannung war auch am Markt für US-Staatsanleihen zu spüren. Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) reagierten erleichtert.

Mit dem Kompromiss entging die Weltwirtschaft nach Ansicht von Weltbank-Präsident Jim Yong Kim nur knapp einem Desaster. «Die globale Wirtschaft ist einer potenziellen Katastrophe ausgewichen», teilte Kim in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) mit. «Dies sind gute Nachrichten für die Entwicklungsländer und die Armen der Welt.»

Der US-Kongress hatte sich nach wochenlangem Streit darauf geeinigt, das Schuldenlimit der USA vorübergehend bis zum 7. Februar heraufzusetzen. Außerdem soll die Regierung, die seit mehr als zwei Wochen ohne verabschiedeten Haushalt arbeitet, bis zum 15. Januar übergangsweise finanziert werden. Präsident Barack Obama ließ das Gesetz kurz nach der letzten Abstimmung in Kraft treten.

Der US-Kongress habe einen «wichtigen und notwendigen Schritt» unternommen, erklärte die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, im Anschluss an die Entscheidung der beiden Kammern des Parlaments in Washington. Die Unsicherheit über die Finanzpolitik der USA müsse nun unbedingt verringert werden.

An den Märkten herrschte vor allem Erleichterung, deutliche Kurssprünge blieben aber zunächst aber aus. Denn bereits am Mittwoch hatten die Anleger wenige Stunden vor Fristablauf für eine Erhöhung der Schuldenobergrenze mit Hochstimmung auf erste Signale für eine Einigung reagiert.

Doch auch am Anleihemarkt herrschte am Donnerstag gute Stimmung: US-Staatsanleihen waren gefragt und bauten ihre Kursgewinne vom Vortag aus. Im Gegenzug fielen die Zinsen, die Investoren geboten werden müssen. Am Morgen ging der Zinssatz für richtungsweisende zehnjährige US-Anleihen im freien Handel auf 2,65 Prozent zurück, nachdem die Rendite am Vorabend noch bei etwa 2,75 Prozent gelegen hatte. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich auch bei US-Anleihen mit kurzen Laufzeiten.

Für den eskalierten Finanzstreit haben die USA nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's schon jetzt einen hohen Preis bezahlt. Der «Shutdown» habe die Wirtschaft bereits 24 Milliarden Dollar (17,7 Mrd Euro) gekostet, teilten die Kreditwächter mit.

Der Haushaltsstreit hat nach Beobachtung der US-Notenbank Fed zuletzt auch die Unsicherheit in der US-Konjunkturentwicklung erhöht. In immerhin vier der zwölf Distrikte der Notenbank habe sich das Wachstum abgeschwächt, hieß es in dem am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichten Konjunkturbericht der Fed («Beige Book»). Trotzdem hält die Notenbank an ihrer Gesamtbeurteilung fest und spricht abermals von einem «mäßigen bis moderaten» Wirtschaftswachstum.