München bereitet sich mit neuen Notunterkünften vor

Die bayerische Landeshauptstadt München bereitet sich auf die Ankunft weiterer Zehntausender Flüchtlinge vor und hat neue Plätze in Notunterkünften geschaffen. Die Regierung von Oberbayern rechnet mit weiter steigenden Flüchtlingszahlen.

Wie viele Menschen am Wochenende zu erwarten sind, war den Behörden zufolge zunächst jedoch nicht abschätzbar.

Heute kamen bis 6.00 Uhr etwa 1600 Menschen in Zügen am Hauptbahnhof an. Am Vortag hatten die Behörden rund 5800 Flüchtlinge gezählt. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) forderte die anderen Bundesländer dringend zur Unterstützung auf. Seit dem vergangenen Wochenende haben 40 000 Migranten München erreicht.

Um die Flüchtlinge vorübergehend unterzubringen, wurden auf dem Messe-Gelände, in der Innenstadt und in Aschheim im Landkreis München neue Betten aufgestellt. Dabei halfen auch Bundeswehrsoldaten, wie die Regierung von Oberbayern mitteilte. «Wir wollen in den nächsten Tagen Kapazitäten im Tausenderbereich schaffen», sagte eine Sprecherin.

Inzwischen hat München zunehmend Schwierigkeiten, Busse und Fahrer zu finden, um die Ankommenden in die Notunterkünfte zu bringen. Zu den leichter erreichbaren Schlafplätzen in der Innenstadt werden Flüchtlinge daher teils zu Fuß begleitet und von der Polizei eskortiert.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dem Bayerischen Rundfunk, der Freistaat sei im Moment noch gut darauf eingestellt, Flüchtlinge aufzunehmen. Entscheidend sei jedoch, wie viele Migranten entsprechend der Quote von anderen Bundesländern aufgenommen werden können. Außerdem erwarte er auch vom Bund konkrete Schritte, die den Zuzug nach Deutschland bremsten.

Um München zu entlasten, soll in der Lüneburger Heide ein Drehkreuz für Flüchtlinge in Norddeutschland entstehen. Asylbewerber sollen direkt per Bahn von Österreich nach Bad Fallingbostel gebracht werden, dort in Busse umsteigen und auf die norddeutschen Länder verteilt werden, wie das niedersächsische Innenministerium mitteilte.

In Berlin traf am Freitagabend ein Sonderzug mit mehr als 500 Flüchtlingen am Regionalbahnhof Flughafen Schönefeld ein. Der Zug kam direkt aus Salzburg. Von Schönefeld aus sollten die Flüchtlinge mit Bussen direkt in neue Unterkünfte am Olympiapark gebracht werden, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mitteilte.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, äußerte sich zurückhaltend zur Prognose von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), wonach an diesem Wochenende 40 000 Flüchtlinge in Deutschland erwartet werden. Noch sei nicht klar, dass sich diese Zahl bewahrheite, sagte die SPD-Politikerin am Samstag im rbb-Inforadio. Fraglos seien aber viele Menschen unterwegs: «Es ist schon atemberaubend, das Tempo, in dem jetzt aus der Region (um Syrien) geflüchtet wird.»

Steinmeier hatte am Freitag erklärt, die Bundesregierung rechne an diesem Wochenende mit der Ankunft von rund 40 000 weiteren Flüchtlingen aus den südlichen und südöstlichen Nachbarländern in Deutschland.