Otto Piene: Licht im Raum und auf der Leinwand 

Dunkelste Nächte kannte Otto Piene (1928-2014) aus Kindestagen. Als der Krieg seinen Schatten über die Welt warf, war er gerade ein Heranwachsender.

Otto Piene: Licht im Raum und auf der Leinwand 
Caroline Seidel Otto Piene: Licht im Raum und auf der Leinwand 

Dem Dunkel der Bombennächte hat er als Künstler das Licht als etwas durch und durch Positives entgegengesetzt: Mal tanzt es durch seine Lichträume. Mal hat er Lichteinfall und Feuerspuren auf Leinwand gebannt. Mal bringt er riesige Lichtkugelraster zum Leuchten. Eine große Einzelausstellung in Münster zeigt ab Samstag, wie das leuchtende Medium Pienes Kunst zeitlebens prägte.

«Ich gehe das Dunkel selber an. Ich durchleuchte es, ich nehme ihm seinen Schrecken», schrieb er 1961. Diesen lebensbejahenden und optimistischen Geist seiner Werke spürbar zu machen, ist dem Museum für Kunst und Kultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe mit der neuen Schau gelungen. Dabei zeigen die Kuratoren das gesamte Schaffen des Lichtkunst-Pioniers von frühen Arbeiten bis hin zu (wieder-)entdeckten Grafiken und Malereien aus seinem Nachlass.

Piene stammt aus Westfalen, gründete später die Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO, die mit ihrer Stunde Null für die Kunst die Schrecken von Krieg und Nachkriegszeit endgültig hinter sich lassen wollte. Nach zuletzt großen ZERO-Ausstellungen in New York und Berlin sei es längst überfällig, dem Künstler und seiner Auseinandersetzung mit Licht allein eine Einzelschau zu widmen, betonte Museumsdirektor Hermann Arnhold. «Es ist eine sehr sinnliche Ausstellung geworden», bilanziert er. Gemeinsam mit dem Piene-Experten Joachim Jäger von der Neuen Nationalgalerie in Berlin hat er das Konzept erarbeitet. An der Idee selbst hatte der im Juli 2014 verstorbene Künstler noch mitgewirkt.

Statt sich ausschließlich um Pienes Raumarbeiten zu kümmern, wählten die Kuratoren ein offenes Verständnis von Lichtkunst: Denn Licht als Lebensthema findet sich bei Piene auch immer wieder auf der Leinwand. «Piene ist ein Künstler, der sehr, sehr stark aus der Malerei kommt und immer wieder zu ihr zurückgekehrt ist», sagt Jäger.

Das riesige Rasterbild «Reines Licht» zum Beispiel ist grelles Weiß mit hineingestanzten Rasterpunkten. Diese zeichnen Kreise nach, wie sie vor Augen hat, wer direkt in die Sonne schaut. Bei anderen großformatigen Ölbildern experimentierte Piene mit Feuer, das Ruß- und Brandflecken auf seinen Ölmalereien hinterließ. Farben als Spielart von Licht kommen in seinen Regenbogenmotiven zum Ausdruck.

Besonders sinnlich wird es aber immer dort, wo bewegtes Licht die Räume verzaubert: So kann der Besucher im Halbdunkel vor den «Blauen Lichtgeistern» Halt machen, die erstmals in Deutschland zu sehen sind. Drei sanft gewellte, sich nach oben verschmälernde Glasskulpturen tauchen den Raum in warmes Hellblau.

Nebenan zeigt die Installation «Black Star», dass Spuren des Lichts ausreichend sein können für das Spiel mit Schatten und Reflex: Von der Decke hängt ein riesiger, vielfach gezackter Stern, sein Schatten noch bedrohlicher als er selbst. Aus den Sternspitzen heraus lässt Piene kleine Laser auf Kristalle zielen. Sie brechen das Licht zu tanzenden Leuchtpunkten.

Im Lichtraum daneben zaubern hinter perforierten Wänden wandernde Lichtquellen die Sterne mitten ins Museum. Projektoren hinter durchlöcherten Drehscheiben lassen weiche Formen über die Wände wabern. «Damit gelingt es ihm, diese unglaubliche Poesie des Himmels erlebbar zu machen», schwärmt der Museumsdirektor.