Mumie vom Dachboden: echter Schädel mit Plastik-Knochen

Das Verwirrspiel um eine vermeintliche Mumie in Niedersachsen geht weiter. Das Skelett besteht überwiegend aus Plastik, doch der Schädel ist echt. Der Fund von einem Dachboden in Diepholz hatte im August Schlagzeilen gemacht - die Ermittler rätseln immer noch über den Sarkophag.

Die Staatsanwaltschaft hat bisher keine Ahnung, wer falsches Skelett und echten Schädel verbunden und dann in der Art einer 2000 Jahre alten Mumie eingewickelt hat.

«Es ist bewusst so manipuliert worden, dass es ohne ein Lösen und Beschädigen der Bandagen zu einer falschen Diagnose kommen konnte», sagte der Verdener Staatsanwalt Lutz Gaebel. Ein zehnjähriger Junge hatte den geheimnisvollen Fund auf dem Dachboden der Großeltern gemacht. Anfangs dachten die Ermittler, es könne sich um eine bis zu 2000 Jahre alte Mumie handeln. Der Großvater des Jungen war in den 50er Jahren in Nordafrika und hatte einige Andenken von seinen Reisen mitgebracht.

Eine erste Computertomographie (CT) hatte den Eindruck einer echten Mumie zunächst gestützt. Dabei fiel auch ein kleiner Pfeil in der Augenhöhle des Schädels auf, was den Verdacht eines Verbrechens nährte. Doch nach der ersten Diagnose der Hamburger Rechtsmedizin kamen Zweifel auf. So fanden Experten des Archäologischen Instituts Berlin heraus, dass die Bandagen, mit der die angebliche Mumie eingewickelt war, aus dem 20. Jahrhundert stammten.

Als Gerichtsmediziner in Hamburg den Fund auswickelten, entdeckten die Plastikknochen und Füllmaterial wie Papier-Küchentücher. Diese Mischung war den Angaben zufolge mit einer unbekannten Substanz besprüht, was zu einer falschen CT-Analyse geführt hatte. Auch der Pfeil wurde neueren Ursprungs datiert.

Der Vater des Jungen, Lutz Wolfgang Kettler, zeigte sich von der erneuten Wendung in dem Fall überrascht: «Erst sollte es ein historisches Fundstück sein, dann kam der Verdacht eines Verbrechens auf. Und jetzt soll es eine billige Fälschung mit einem Karnevalsskelett und einem Kinderpfeil sein - mir fällt da eigentlich nichts mehr zu ein», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.