Murmeltiertag in den USA: «Phil hat immer recht»

Die Zeremonie beginnt mit einer höflichen Geste. Drei Mal klopft ein Mann mit Zylinder an die Türe des nachgestellten Murmeltierbaus, um «Punxsutawney Phil» aufzuwecken. Dann greift der Herr das Tier am Pelz und zerrt es aus seinem Winterquartier. Es hat schließlich eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.

Die Menschen im US-Bundesstaat Pennsylvania - und weit darüber hinaus - wollen wissen, wie das Wetter in den kommenden sechs Wochen wird. Dazu wird Phil in die Luft gehalten und sein Schatten untersucht. Ist der Schatten zu sehen, bleibt der Winter. Ist er unsichtbar, kommt der Frühling.

Die Entscheidung: kein Schatten. Wenn Phils Prognose vom Dienstagmorgen (Ortszeit) also stimmt, wird es in den USA bald Frühling. Davon gibt sich Keith Shields vom Punxsutawney Murmeltierverein überzeugt: «Phil hat immer recht», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dass Phil ganz überwiegend nicht richtig liegt: egal.

Auch in Deutschland würde eine zuverlässige Vorhersage Richtung Frühling sehnlichst erwartet. Die Meteorologen haben derzeit Probleme, dafür einen stabilen Trend vorherzusehen. Nach den überwiegend milden Temperaturen der vergangenen Tage wird es wieder etwas kühler. Die Schneefallgrenze sinkt am Mittwoch zeitweise bis auf 300 Meter. Phil hin oder her - Meteorologe Sebastian Schappert vom Deutschen Wetterdienst bremst alle Hoffnung auf eine nahendes Winterende und sagt: «Der Frühlingsanfang ist noch nicht in Sicht.»

Kann da nicht das Murmeltier helfen? Erfahrung hat Phil reichlich gesammelt, kam er in diesem Jahr bereits zum 130. Mal zum Einsatz. Den Brauch gibt es seit 1887. Der Legende nach ist es immer das gleiche Murmeltier, das an einem 2. Februar ins Licht gehalten wird. Ein spezielles Lebenselixier verschaffe ihm jeden Sommer sieben weitere Jahre.

Reich an Lebenserfahrung, lag das Murmeltier mit seinen Voraussagen in den vergangenen Jahren dennoch nur selten richtig. Das US-Klimadatenzentrum ist unbestechlich: In mehr als einem Jahrhundert hat das Murmeltier das Winterende nur 17 Mal richtig vorausgesagt.

Vielleicht macht Phil das etwas verdrießlich? «In manchen Jahren ist es schwierig, Phil aus seinem Bau zu bekommen», sagt Shields. Immerhin bringt Phil etwa neun Kilogramm auf die Waage, und er ist mit kräftigen Schneidezähnen ausgestattet. Trotzdem sei er normalerweise «ein ziemlich netter Kerl».

Zur launigen Zeremonie, die viele aus dem Film «Und täglich grüßt das Murmeltier» kennen, wurden in diesem Jahr bis zu 15 000 Schaulustige erwartet. Noch weit vor Sonnenaufgang pilgerten sie in die US-Kleinstadt, um sich ab drei Uhr morgens zu aktuellen Hits warm zu tanzen. Ein Feuerwerk kündigte Phils Auftritt an. Dann die Gewissheit: kein Schatten. Tosender Jubel, ein fröhlicher Murmeltiertag.