Mursi-Prozess nach Tumulten auf Januar vertagt

Nach einem turbulenten Auftakt hat der Richter den Strafprozess gegen den ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi auf Beginn nächsten Jahres vertagt. Das Verfahren gegen den 62-Jährigen werde am 8. Januar fortgesetzt, berichteten Prozessbeobachter.

Der vor vier Monaten vom Militär entmachtete Islamist Mursi hatte den Prozessauftakt für verbale Angriffe gegen seine Widersacher genutzt. «Ich bin der legitime Präsident von Ägypten, und ich bitte das Gericht, diese Farce hier zu beenden», rief er in den Saal.

Die anderen Angeklagten im behelfsmäßig hergerichteten Gerichtssaal in der Polizeiakademie im Osten Kairos skandierten: «Nieder mit der Militärherrschaft». Nach Angaben des Staatsfernsehens kam es zwischen Verteidigern und einigen Prozessbeobachtern zu Handgreiflichkeiten.

Mursi und 14 Spitzenfunktionäre der Muslimbruderschaft sind wegen der Tötung von Demonstranten angeklagt. Im Falle einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe oder lebenslängliche Haft. Die Verhandlung am Montag fand in der selben Räumlichkeit statt, in der sich auch der 2011 gestürzte Langzeitherrscher Husni Mubarak wegen der Tötung von Demonstranten verantworten muss.

Vor der Polizeiakademie und vor Gerichten in Kairo demonstrierten jeweils mehrere hundert Anhänger der Muslimbruderschaft gegen den Prozess. Mursi war seit seinem Sturz im Juli an einem unbekannten Ort inhaftiert. Nach der Vertagung des Prozesses wurde er in ein Gefängnis bei Alexandria gebracht.