Musikjahr 2013: Heino rockt und Miley schockt

Rap und Schlager dominieren die Charts, Heino rockt in Wacken, CDU-Fraktionschef Volker Kauder singt Die Toten Hosen und die Musikwelt trauert um Lou Reed.

Musikjahr 2013: Heino rockt und Miley schockt
Carsten Rehder Musikjahr 2013: Heino rockt und Miley schockt

2013 ist manches anders, vieles überraschend und manches traurig. Ein Rückblick - aus musikalischer Perspektive:

HEINO ROCKT: Das Jahr ist noch so jung, aber die erste Überraschung bereits perfekt: Schlager-Urgestein Heino taucht aus der Versenkung auf - mit Totenkopfring und Lederjacke. Im Gepäck ein Album voller Rock- und Punk-Coversongs, das direkt auf Platz eins der Charts landet. Auf den anfänglichen «Rocker-Krieg gegen Heino» («Bild»-Zeitung) folgte im Sommer ein Auftritt mit Rammstein beim Heavy-Metal-Festival in Wacken. Heino scheint es zu genießen: Für Herbst 2014 kündigte er bereits sein nächstes Album an - mit «brettharten» Versionen seiner alten Schlager-Hits.

RAP- UND SCHLAGER-BOOM: Apropos Schlager: Die beiden Königinnen des Schlagers - Helene Fischer und Andrea Berg - standen mit ihrem Alben jeweils vier Wochen an der Charts-Spitze. Das gelang 2013 sonst nur - na klar, Heino. Riesenerfolge feierte aber auch die Rap-Musik. Ob Eminem, Sido oder Prinz Pi - Mindestens elf Hip-Hop-Künstler landeten 2013 mit ihren Alben auf dem ersten Platz.

MILEY SCHOCKT: Es war das Jahr der Miley Cyrus (21): Der süße Teenie-Star («Smiley Miley») wird erwachsen und verwandelt sich zum sexy Vamp: Nackt räkelte sich Cyrus in ihrem Musikvideo «Wrecking Ball» auf einer Abrissbirne, bei den MTV Music Awards in New York sorgte sie mit einem lasziven Unterwäsche-Tanz für Aufregung und in Amsterdam provozierte sie mit einem Joint auf der Bühne. Bei all den Skandälchen rückte fast in den Hintergrund, dass die frühere Disney-Schauspielerin («Hannah Montana») auch gut singen kann.

INTERNETHIT: Enten quaken, Fische blubbern und Seelöwen machen «au au au». Aber: Welches Geräusch macht der Fuchs? Dass ein Lied über die Laute der Tierwelt ein Super-Hit werden kann, hat selbst die Macher überrascht. Das nicht ganz ernst gemeinte Musikvideo «What Does The Fox Say?» zweier norwegischer Brüder wurde bei einem Stand von 276 Millionen Klicks zum populärsten YouTube-Video des Jahres gekürt. Der größte Hit seit dem südkoreanischen Internet-Song «Gangnam Style», titelten Medien in den USA und Großbritannien.

TAGE WIE DIESE: 2013 war ein sensationelles Jahr für Die Toten Hosen - mit einer kleinen Ausnahme. Im März heimsten die Düsseldorfer vier Echos ein, auf ihrer «Krach der Republik»-Tour hatten sie «die Zeit unseres Lebens». Doch dann gab es da noch die Bundestagswahl und einen euphorisierten CDU-Fraktionschef Volker Kauder, der gemeinsam mit siegestaumelnden Parteifreunden den Hosen-Hit «Tage wie diese» grölte. Klar, die einstigen Punkrocker sind längst im Mainstream angekommen, aber das hat ihnen wohl gar nicht gefallen. Ihr trockener Kommentar: «Das grausam vorgetragene Lied war immer noch mit Abstand die beste Leistung, die die CDU in letzter Zeit hervorgebracht hat.»

WER IST DIE «QUEEN OF POP»? Skandalnudel Miley Cyrus? Rihanna? Lady Gaga, die sich mit neuem Album zurückkämpfte? Oder Katy Perry, die mit mehr als 48 Millionen Followern bei Twitter Lady Gaga längst hinter sich gelassen hat? Nein! Die «Jungen Wilden» können sich noch so anstrengen, die «Queen of Pop» ist nach wie vor Madonna (55) - zumindest was das Geld betrifft. Laut Magazin «Forbes» nahm sie von Juni 2012 bis Juni 2013 insgesamt 125 Millionen Dollar (92 Millionen Euro) ein und führt die Liste der bestbezahlten Musiker der Welt an. Möglicherweise gibt es bald auch neue Songs von ihr: Auf die Frage, ob es 2014 wieder eine Platte geben wird, antwortete Madonna wohl kürzlich: «Kann sein, meine kreativen Säfte fließen.»

COMEBACK: In den frühen Morgenstunden des 8. Januar, pünktlich zu seinem 66. Geburtstag, war David Bowie wieder da. Zehn Jahre nach seiner letzten Platte veröffentlichte der britische Superstar im Internet die Single «Where Are We Now?». Im März folgte das Nummer-1-Album «The Next Day». Und noch ein zweites Comeback wurde von den Freunden der edlen Popmusik frenetisch gefeiert: Der genial-verschrobene britische Songwriter Paddy McAloon kehrte mit seinem Projekt Prefab Sprout und dem wunderbaren Album «Crimson/Red» zurück.

ABSCHIED: Trauer um Lou Reed: Mit seiner Avantgarde-Punkband The Velvet Underground schrieb er in den 60er Jahren Musikgeschichte. Später folgte eine große Solokarriere, seine Songs «Walk on the Wild Side» und «Perfect Day» wurden zu Welthits. Reed, einer der bedeutendsten US-Musiker überhaupt, starb am 27. Oktober im Alter von 71 Jahren.