Muslimbrüder-Protest geht weiter

Arisch (dpa) - Mit Spannung erwarten die Ägypter den Beginn des Prozesses gegen das Oberhaupt der Muslimbruderschaft.

Mohammed Badie, sein Stellvertreter Chairat al-Schater und vier weitere Führungskader der Islamisten-Organisation sollen sich am Sonntag vor einem Gericht in Kairo wegen Anstachelung zur Gewalt gegen Demonstranten verantworten.

Die Zeitung «Al-Masry Al-Youm» berichtete am Samstag, Badie habe sich bei einem Verhör im Tora-Gefängnis geweigert, zu antworten und erklärt, er erkenne die Institutionen der «Putschisten» nicht an. Außerdem habe er gerufen: «Ihr habt meinen Sohn getötet und mein Haus angezündet, was wollt Ihr sonst noch von mir?»

Am Sonntag wird zudem der Prozess gegen Ex-Präsident Husni Mubarak fortgesetzt. Mubarak, der von der Armee im Februar 2011 nach tagelangen Protestkundgebungen zum Rücktritt gezwungen worden war, steht wegen der Beteiligung an der Tötung von mehr als 800 Demonstranten vor Gericht. Er war am vergangenen Donnerstag aus der Untersuchungshaft entlassen und in ein Militärkrankenhaus gebracht werden. Dort steht der 85-Jährige unter Arrest.

Unterdessen setzte die Polizei ihre Kampagne gegen führende Mitglieder der Bruderschaft fort. In Oberägypten wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen unter anderem der frühere Parlamentsabgeordnete Ahmed Said al-Saghir verhaftet.

Die Muslimbrüder und ihre Verbündeten wollen ihre Proteste trotzdem fortsetzen. Die sogenannte Allianz für die Unterstützung der Legitimität rief ihre Anhänger am Samstag auf, weiter für die Rückkehr von Präsident Mohammed Mursi zu demonstrieren.

Am Freitag war es bei Protestmärschen der Islamisten in einigen Provinzen zu gewaltsamen Zusammenstößen mit politischen Gegnern gekommen, bei denen zwei Mursi-Anhänger getötet und Dutzende verletzt worden waren. Anders als bei früheren Aktionen der Bewegung gingen diesmal nur einige Tausend Demonstranten auf die Straße.

Die Armee hatte den demokratisch gewählten Präsidenten Mursi am 3. Juli nach Massenprotesten politischer Gegner der Islamisten abgesetzt. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

In der Ortschaft Scheich Suwaid im Norden der Sinai-Halbinsel lieferten sich Angehörige von Polizei und Armee nach Angaben von Augenzeugen ein Gefecht mit mutmaßlichen militanten Islamisten. Dabei seien vier «Dschihadisten» getötet und sechs Verdächtige festgenommen worden. Unbekannte eröffneten das Feuer auf einen Kontrollposten der Armee an der Straße zwischen Suez und Ismailija. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurde ein Soldat mit Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht.