Muslimische Mahnwachen für die Meinungsfreiheit

Hunderte Moscheebesucher und Politiker haben mit Mahnwachen vor Medienhäusern in vielen deutschen Städten ein Zeichen für die Meinungsfreiheit gesetzt.

Muslimische Mahnwachen für die Meinungsfreiheit
Daniel Bockwoldt Muslimische Mahnwachen für die Meinungsfreiheit

Auf dem Mainzer ZDF-Gelände, bei RTL in Köln, am Verlagshaus Axel Springer in Berlin sowie vor zahlreichen Zeitungshäusern wandten sie sich am Freitag gegen den islamistischen Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» in Paris. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), die mit Abstand größte muslimische Organisation in Deutschland, hatte die Aktionen nach dem Freitagsgebet organisiert.

Vor dem Springer-Haus in Berlin versammelten sich rund 50 Vertreter von Ditib. «Bild»-Chefredakteur Kai Diekmann dankte ihnen für ihr Bekenntnis zu den Freiheitsrechten und die Absage an Gewalt.

Rund 50 Menschen kamen in Hamburg vor das «Spiegel»-Hochhaus und die «Hamburger Morgenpost». Auf die «Mopo» war am Sonntag ein Brandanschlag verübt worden. Die Polizei schloss einen Zusammenhang mit den Anschlägen in Frankreich nicht aus.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte in Mainz vor Dutzenden Teilnehmern, Muslime seien ein «Teil unserer Gesellschaft». CDU-Bundesvize Julia Klöckner sagte: «Wir wären keine freien Bürger, wenn es keine freie Presse gäbe, sondern Untertanen.» ZDF-Intendant Thomas Bellut betonte, es gebe immer wieder Versuche, Einfluss auf Berichterstattung zu nehmen, auch Drohungen. «Seit Paris wissen wir, diese Drohungen können zu schrecklichen Taten führen.»

In Köln stellten sich rund 60 Muslime vor der RTL-Zentrale im Halbkreis auf. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga legte Blumen für die Opfer der Pariser Anschläge nieder. NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) sagte vor den «Ruhr Nachrichten» in Dortmund, Terror kenne keinen Gott, «vor allem keinen lieben».

Vor den «Nürnberger Nachrichten» versammelten sich laut Ditib etwa 200 Menschen. Der Imam der Nürnberger Eyüp Sultan Moschee, Talha Dogan, sagte in seiner Freitagspredigt: «Vom Osten bis zum Westen, vom Norden bis zum Süden ist jeder Punkt der islamischen Welt verwundet.» In München kamen rund 35 Gläubige zu einer Mahnwache vor dem Bayerischen Rundfunk.

In Hannover machten Dutzende Moscheebesucher mit. Muslime hielten Zettel mit der Aufschrift «für euch», «mit euch», «bei euch» hoch. In Osnabrück gedachten Tausende in einer Schweigeminute der Terroropfer, in Karlsruhe versammelten sich Menschen vor dem Gebäude des SWR.