Mutmaßliche IS-Terroristen wegen Anschlagsplänen in U-Haft

Nach der Zerschlagung einer mutmaßlichen IS-Terrorzelle in Deutschland sitzen zwei der drei festgenommenen Syrer in Untersuchungshaft.

Mutmaßliche IS-Terroristen wegen Anschlagsplänen in U-Haft
Ronald Wittek Mutmaßliche IS-Terroristen wegen Anschlagsplänen in U-Haft

Die 25 und 31 Jahre alten Männer, die in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gefasst wurden, seien noch am Vortag in Karlsruhe dem Haftrichter vorgeführt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Freitag. Der dritte, 28 Jahre alte Beschuldigte, sollte im Tagesverlauf folgen. Spezialkräfte der Polizei hatten ihn ebenfalls am Donnerstag in Brandenburg festgenommen.

Die Gruppe soll im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Anschlag mit Sprengstoff und Schusswaffen in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben. Konkrete Vorbereitungen gab es nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft noch nicht. Aufgeflogen waren die mutmaßlichen Terroristen, weil ein vierter Beteiligter sich in Paris den Behörden offenbarte. Wie der «Spiegel» berichtet, sagte er den Behörden, dass insgesamt sogar zehn Attentäter in Düsseldorf zuschlagen sollten.

Am Freitag wurden neue Details zu den Verdächtigen bekannt. Behörden bestätigten, alle drei lebten als Flüchtlinge getarnt in Unterkünften für Asylbewerber.

Abd Arahman A. (31) wurde in einer solchen Unterkunft in Leimen (Baden-Württemberg) gefasst, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. Mahood B. (25) wurde nach Angaben eines Stadtsprechers von einer SEK-Einheit in der Innenstadt von Mülheim/Ruhr (NRW) verhaftet. Die Beamten hätten zunächst zwei Personen abgeführt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Polizei wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf die Bundesanwaltschaft. Bereits am Donnerstag war bestätigt worden, dass Hamza C. (28) in einem Asylbewerberheim im brandenburgischen Bliesdorf festgenommen wurde.

Auch der in Paris inhaftierte und geständige Terrorverdächtige Saleh A. (25) lebte zeitweise in einem Flüchtlingsheim im niederrheinischen Kaarst (NRW). Der Mann sei seit 26. März 2015 in dem Heim im Stadtteil Vorst gemeldet, sagte eine Sprecherin der Stadt am Freitag und bestätigte Informationen der «Rheinischen Post». Saleh A. hatte sich den französischen Behörden am 1. Februar gestellt und von den Terrorplänen erzählt. Deutschland bemüht sich um seine Auslieferung.

Das Bundesinnenministerium erklärte, für eine grundsätzliche Bewertung des Falles und erst recht für Schlussfolgerungen sei es zu früh. Das gelte auch für die Frage, was für ein terroristisches Gefährdungspotenzial möglicherweise von einzelnen Flüchtlingen ausgehen könnte, sagte ein Sprecher in Berlin.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, warnte davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Es sei ganz offensichtlich die Strategie des IS, Flüchtlinge in Misskredit zu bringen und Ängste vor ihnen zu schüren, indem man eigene Leute als Asylbewerber nach Europa einschleuse, sagte Wendt der dpa.

Unterdessen gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass sich weitere potenzielle islamistische Terroristen in Deutschland befinden. Anfang April hatte das Bundeskriminalamt die Zahl der islamistischen «Gefährder» auf rund 480 beziffert, die Hälfte davon halte sich derzeit im Ausland auf. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sagte im RBB dazu, von weiteren mutmaßlichen IS-Terroristen in seinem Bundesland «muss man ausgehen».

Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums teilte mit, aktuell führe der Generalbundesanwalt knapp 120 Verfahren mit mehr als 180 Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien - wegen Mitgliedschaft in oder Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.