Nach Bianchi-Crash: Gefahrendiskussion in der Formel 1

Die Formel 1 muss sich nach dem schrecklichen Unfall von Jules Bianchi einer neuen Gefahrendiskussion stellen.

Nach Bianchi-Crash: Gefahrendiskussion in der Formel 1
Franck Robichon Nach Bianchi-Crash: Gefahrendiskussion in der Formel 1

Einige Fahrer und Teamvertreter beklagten nach dem Großen Preis von Japan die schlechte Sicht, weil das chaotische Regenrennen noch in vollem Gange war, als die Lichtverhältnisse nachließen. «Sie haben das Rennen zu spät beendet», kritisierte Williams-Pilot Felipe Massa. Ingenieur Rob Smedley sprach von den dunkelsten Verhältnissen in den 15 Jahren, die er in der Formel 1 sei.

Indes gibt es zu Bianchis Gesundheitszustand noch keine neuen Informationen. Das Marussia-Team bat in einer Pressemitteilung «um «Geduld und Verständnis» dafür. In Verbindung mit dem Mie-Generalkrankenhaus in Yokkaichi würden ärztliche Neuigkeiten dann veröffentlicht, wenn es das Hospital für angebracht halte. Damit würden die Wünsche der Familie respektiert.

Bianchi war in Suzuka beim 15. Saisonlauf bei strömendem Regen von der Strecke abgekommen und mit hoher Geschwindigkeit unter einen Bergungskran gekracht. Dabei zog sich der 25 Jahre alte Franzose schwere Kopfverletzungen zu. Nach verschiedenen Medienberichten soll eine erste Operation am Rennabend erfolgreich verlaufen sein.

Marussia teilte weiter mit, dass Vertreter des Teams und der Scuderia Ferrari im Krankenhaus sind, um «Jules und die Familie Bianchi» zu unterstützen. Der Pilot gehört zum Ferrari-Nachwuchsprogramm. Marussia bedankte sich für die große Anteilnahme und Unterstützung für den Fahrer und den Rennstall «in diesen sehr schwierigen Zeiten».

Die teilweise extremen Bedingungen beim Grand Prix waren absehbar. Erstens, weil selbst bei normalem Wetter die Sonne gegen 17.30 Uhr über Suzuka untergeht. Damit kann es bei einem um 15.00 Uhr gestarteten Rennen mit Unterbrechungen sehr eng werden. Zweitens, weil diesmal auch noch die Vorboten von Taifun Phanfone - vor dem der Formel-1-Wetterdienst in den Tagen vor dem Grand Prix eindringlich und wiederholt gewarnt hatte - die Witterungslage erschwerten.

«Man hätte früher starten können, darüber gibt es keine Diskussion», befand Mercedes-Teamaufsichtsratschef und RTL-Experte Niki Lauda. Der Internationale Automobilverband konnte sich mit den heimischen Betreibern und den Vermarktern aber offensichtlich nicht einigen. Rennstreckenbesitzer Honda soll sich gegen eine Vorverlegung des Starts gesträubt haben.

Dass Formel-1-Piloten auch auf nassen Strecken fahren können, haben sie schon zigfach bewiesen. Nach den ersten Runden hinter dem Safety Car zeigten der spätere Sieger Lewis Hamilton und seine Kollegen das auch in Japan. Lässt die Sicht aber durch Dunkelheit nach, droht Gefahr. Nasse Stellen auf der Strecke sind schwerer auszumachen. Hinzu kommt das Dauerrisiko bei Bergungsarbeiten mit Kran oder ähnlichem Gerät. Nicht zu vergessen die Helfer, die beim Abtransport den sonstigen No-Go-Bereich betreten.

Dennoch kam bei Bianchis Unfall wohl alles nur erdenklich Negative zusammen: Regen, schlechte Sicht, der Kran - und dann noch die Tatsache, dass der Franzose mit seinem Marussia so unter das Heck des Krans geriet, dass er vermutlich mit enormer Wucht am Kopf getroffen wurde. Die linke Seite des Wagens wurde komplett zerstört. Sogar der Überrollbügel direkt hinter dem Kopf des Piloten war gebrochen.

Ein Unfall, der nicht nur in der Formel 1 große Sorgen auslöste. «Meine Gedanken gehören Jules Bianchi», twitterte Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski. «Hoffe auf schnelle Erholung.»