Nach dem Tief: Biathleten bei WM im Angriffs-Modus

So forsch waren die deutschen Biathleten schon lange nicht mehr. «Wer eine Medaille möchte, muss erst einmal an uns vorbei», sagt Franziska Hildebrand. Vor dem WM-Auftakt am Donnerstag in Kontiolahti mit der Mixed-Staffel haben die Skijäger in den Angriffs-Modus geschaltet.

Nach dem Tief: Biathleten bei WM im Angriffs-Modus
Filip Singer Nach dem Tief: Biathleten bei WM im Angriffs-Modus

«Ich bin in diesem Jahr achtmal im Weltcup auf dem Siegerpodest gestanden. Da kann ich ja schlecht sagen, dass das bei der WM nicht möglich ist», ergänzt der dreimalige Saison-Sieger Simon Schempp.

Nach den historischen Tiefs in den letzten beiden Jahren haben sich die Deutschen in diesem Winter so gut verkauft, dass es wieder Erwartungen gibt. Bei der letzten WM 2013 in Nove Mesto und bei Olympia 2014 in Sotschi sprangen jeweils nur zwei Medaillen heraus, Gold war nicht dabei. Nun hofft eine der gewinnbringendsten Sparten im Deutschen Skiverband (DSV) nach 23 Podestplätzen in dieser Saison auf reiche WM-Ausbeute.

Ein gelungener Auftakt mit dem gemischten Quartett soll den Weg weisen. «Die Erfahrung zeigt, dass die Mixed-Staffel eine hohe Bedeutung hat. Ein gutes Ergebnis befreit und nimmt Druck von beiden Mannschaftsteilen», sagt Damen-Bundestrainer Gerald Hönig.

Die Stars von einst trauen dem Team viel zu. «Ich denke, wir können einiges erwarten», prophezeit Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner. Für Michael Greis sind die «Aussichten so gut wie schon lange nicht mehr». Auch Andrea Henkel glaubt an «einige Medaillen». Kati Wilhelm kommt bei ihrer Hochrechnung sogar auf sechsmal Edelmetall und ist selbst überrascht: «Oh Gott, das sind ja Zahlen aus der guten alten Zeit.»

Mit die besten Tage erlebte das deutsche Team bei der WM 1999 - ebenfalls in Kontiolahti. Auch wenn nahe der russischen Grenze wegen eisiger Temperaturen nicht viel ging und die Titelkämpfe erst vier Wochen später beim Weltcup-Finale in Oslo beendet wurden. Zehn DSV-Medaillen gab es seinerzeit, sechs goldene waren darunter. Und es gab viele skurrile Begebenheiten, um die WM zu retten.

«Diejenigen, die dabei waren, erzählen noch heute Horrorgeschichten», sagt Schempp. Nach den ersten Trainingseinheiten im Schmuddelwetter freute sich die Medaillenhoffnung über die moderaten Temperaturen. «So kalt ist es ja zum Glück nicht.» Deshalb wird Franziska Preuß ihre dicken Klamotten, die sie extra eingepackt hat, nicht benötigen.

«Alle freuen sich, bei der Biathlon-WM zu sein», sagt Hönig. Er verweist darauf, dass er viele Neulinge im Team hat. Und weil die WM wegen der Kältegefahr später als üblich beginnt, gibt es auch viele Fragezeichen. «Jetzt muss man sehen, ob die Körner noch ausreichen», ergänzt Hönig. Topfavoriten bei den Damen sind die beiden Führenden im Gesamtweltcup, die dreimalige Olympiasiegerin Darja Domratschewa aus Weißrussland und die Finnin Kaisa Mäkäräinen, die in Joensuu, nur wenige Kilometer vom WM-Stadion entfernt wohnt.

Wie Hönig betont auch Männer-Bundestrainer Mark Kirchner die gute Stimmung im Team - die Geschlossenheit ist ein Teil des Erfolgsrezeptes. «Wir möchten nicht mit einem Ergebnisdenken an die WM rangehen, sondern mit Leistung! Wenn wir das Leistungsniveau der zurückliegenden Weltcups so halten können, dann können auch die Platzierungen in Kontiolahti sehr zufriedenstellend werden.»

Andere Nationen haben dagegen Sorgen. Ausgerechnet beim letzten Weltcup in Oslo, da trumpften die Deutschen mit dem Sprint-Sieg von Arnd Peiffer auf, wurde die Misere der sonst so erfolgsverwöhnten Norweger offensichtlich. Emil Hegle Svendsen meldete sich wegen einer Erkältung krank ab, Rekord-Weltmeister Ole Einar Bjørndalen suchte die Form im Höhentrainingslager. Tarjei Bø ist nach gesundheitlichen Problemen völlig außer Form. Auch Gesamt-Weltcupsieger Martin Fourcade aus Frankreich schwächelte im Saisonverlauf ein wenig, ist aber seit Oslo wieder in der Spur.