Nach der Messerattacke: Kölner wählen Oberbürgermeister

Überschattet vom Attentat auf die parteilose Kandidatin Henriette Reker ist die Oberbürgermeisterwahl in Köln schleppend angelaufen. Drei Stunden nach Öffnung der Wahllokale hatten nach Angaben der Stadt etwa 7,8 Prozent der wahlberechtigten Kölner ihre Stimme abgegeben.

Nach der Messerattacke: Kölner wählen Oberbürgermeister
Monika Skolimowska Nach der Messerattacke: Kölner wählen Oberbürgermeister

Gut 800 000 Menschen sind in der viertgrößten Stadt Deutschlands zur Wahl aufgerufen. Rund 100 000 weitere haben sich bereits per Briefwahl entschieden.

Die von CDU, Grünen und FDP unterstützte Reker war am Samstag im Wahlkampf von einem 44-Jährigen mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden. Der Mann soll nach Polizeiangaben im Laufe des Tages dem Haftrichter vorgeführt werden. Reker war noch am Samstag operiert worden. Nach Angaben der Universitätsklinik ist ihr Zustand stabil, sie ist außer Lebensgefahr.

Der Angreifer nannte für seine Tat fremdenfeindliche Motive - Reker ist als Kölner Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen in der Domstadt zuständig. Sie hatte sich im Wahlkampf wiederholt für die Integration von Asylbewerbern ausgesprochen. Neben der 58-Jährigen wurden auch eine Kölner CDU-Politikerin, eine FDP-Ratsfrau und zwei Bürger verletzt.

Nach einem unbestätigten Bericht von «Spiegel online» soll der Angreifer in den 1990er Jahren bei einer später verbotenen Neonazi-Gruppe, der Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP), mitgemacht haben. Zuletzt sei der Mann mit ausländerfeindlichen Kommentaren im Internet aufgefallen.

Reker hat einer Umfrage zufolge gute Chancen auf einen Wahlsieg. Sie könnte damit die erste parteilose Oberbürgermeisterin und die erste Frau an der Spitze der Domstadt werden. Neben ihr hat einer Umfrage zufolge noch der SPD-Landtagsabgeordnete Jochen Ott Chancen auf den Wahlsieg. Sollte keiner der beiden eine absolute Mehrheit erringen, entscheidet am 8. November eine Stichwahl.

Wie in anderen Kommunen sollte auch in Köln eigentlich schon Mitte September gewählt werden. Die Bezirksregierung hatte aber die Stimmzettel beanstandet, das Votum wurde verschoben.

Kölns scheidender Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) rief zu Standhaftigkeit auf. «Es geht jetzt darum, dass wir uns nicht unterkriegen lassen», sagte Roters der Deutschen Presse-Agentur. Die Diskussion um Flüchtlinge in Deutschland werde heftiger, immer häufiger würden Asylbewerberheime angegriffen. «Wir müssen alle gemeinschaftlich darauf achten, dass das Klima des Zusammenlebens nicht beschädigt wird», appellierte Roters.

Der Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, Peter Altmaier (CDU), rief zum Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit auf. «Der Anschlag ist verachtenswert und abscheulich», sagte der Kanzleramtsminister den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Auch wenn wir die genauen Hintergründe noch nicht kennen: Wir müssen uns zu jedem Zeitpunkt deutlich abgrenzen von jeder Form von Ausländerfeindlichkeit und Gewalt.»