Nach Foul: Kabinenärger um Guardiola - «Kein Ballett!»

Pep Guardiola war stinksauer. Einsilbig hatte der Trainer des FC Bayern über das 3:0 gegen den AC Mailand gesprochen, zum Reiz-Thema Nigel de Jong wollte er nichts sagen.

Noch während sein Mediendirektor die Journalisten verabschiedete, stand Guardiola vom Stuhl auf, sprang vom Podium, stieß eine Tür auf und stürmte aus der Pressekonferenz. Auf jener war nur Minuten zuvor auch Guardiolas Mailänder Trainerkollege Sinisa Mihajlovic auf zwei Szenen dieser Audi-Cup-Partie angesprochen worden: Einem Foul zu Spielbeginn von Milan-Kapitän de Jong an Bayerns Jung-Profi Joshua Kimmich und einem Streit zwischen Guardiola und de Jong zur Halbzeit.

Die Bilder der Auseinandersetzung zeigen den Bayern-Coach, wie er auf dem Weg in die Kabine immer wieder in Richtung de Jong schimpft. Der Niederländer blafft zurück und muss von einem Teamkollegen und einem Betreuer zurückgehalten werden. «Ich bin traurig für Kimmich», sagte Guardiola später, sein Schützling werde im Finale des Turniers gegen Real Madrid am Mittwoch (20.45 Uhr) nicht spielen können. Aber was er denn zum früheren Hamburger de Jong gesagt habe, wurde er gefragt. «Ich bin traurig für Kimmich», war die Antwort, Guardiola guckte böse. Auf nochmalige Nachfrage: «Ich bin traurig für Kimmich.»

Schon vor der Halbzeit-Episode hatte das Foul am Bayern-Neuzugang, der mit einer Oberschenkelblessur ausgewechselt werden musste, Guardiola verärgert. Als er den notgedrungenen Wechsel vorbereitete, klatschte er hämisch in Richtung Schiedsrichter und Milan-Bank, diskutierte aufgeregt mit dem vierten Offiziellen. Bei Guardiola liegen immer öfter die Nerven blank: Zuletzt bügelte er vermehrt Fragen über seine noch offene Zukunft ab, außerdem störte ihn Kritik an seiner Aufstellung. Und nun die Episode mit de Jong.

Milans Trainer Mihajlovic regte hingegen die Debatte über den Niederländer auf. «Wir spielen hier Fußball, das ist kein Ballett!», zürnte er angesprochen auf das Foul. Und überhaupt: Ein Freundschaftsspiel war das für ihn auch keines.

Vom späteren Vorfall in den Katakomben wusste Mihajlovic angeblich nichts, und war nicht der einzige. «Ich habe nur Peps Schreie gehört und gedacht: So schlecht haben wir ja gar nicht gespielt», berichtete Bayern-Profi Sebastian Rode mit einem Grinsen und meinte: «De Jong ist ja aus der Bundesliga bekannt für solche Situationen.»

Der als kompromissloser Mittelfeldprofi bekannte Niederländer sorgte im WM-Finale 2010 gegen Spanien für Aufsehen, als er Gegenspieler Xabi Alonso mit einem Kung-Fu-Tritt gegen die Brust niederstreckte - und nur die Gelbe Karte sah. Auf Anweisung des Milan-Sprechers ging de Jong am Dienstagabend schweigend an den Journalisten vorbei.

Auch Kimmich hielt sich beim Verlassen der Arena nicht lange mit der Episode auf, die Verletzung sei gar nicht schlimm, meinte er. Das dürfte Guardiola freuen, schließlich sieht er in dem 20-Jährigen viel Potenzial. «Er wird einer der besten deutschen Spieler in den nächsten zehn Jahren», meinte Guardiola - und hinterließ auf der Pressekonferenz doch noch einen positiven Satz.