Nach Haftbefehl: Guatemalas Präsident Pérez gibt auf

Stadt (dpa) - Der von schweren Korruptionsvorwürfen belastete guatemaltekische Präsident Otto Pérez ist zurückgetreten. Nachdem ein Richter Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte, räumte der 64-jährige Ex-General in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) seinen Posten.

«Angesichts der aktuellen Situation und im Interesse des Staates (...) erkläre ich meinen Rücktritt als Präsident der Republik Guatemala», schrieb er an den Kongress. Die Ermittler werfen Pérez die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Bestechlichkeit und Betrug vor. Am Donnerstagmorgen erschien der ehemalige Staatschef vor Gericht. «Ich stelle mich dem Prozess. Ich bin gekommen, um die Anschuldigungen zu hören», sagte er.

In den Straßen von Guatemala-Stadt feierten die Menschen Pérez' Rücktritt. Sie schwenkten die Landesfahnen und skandierten «Die korrupte militaristische Regierung ist am Ende» und «Es folgen weitere Schlachten und wir werden sie gewinnen».

Der Kongress hatte Pérez zuvor die Immunität entzogen und damit den Weg für ein Strafverfahren frei gemacht. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft und der UN-Kommission gegen Straffreiheit (Cicig) stand der Präsident an der Spitze eines Korruptionsrings. Dieser soll Unternehmen gegen die Zahlung von Schmiergeld erlaubt haben, Waren am Zoll vorbei in das mittelamerikanische Land zu importieren. Damit sei die Staatskasse wohl um Millionen Dollar gebracht worden, heißt es.

An diesem Sonntag wählt das mittelamerikanische Land einen neuen Präsidenten. Der seit 2012 amtierende Konservative Pérez kann nicht erneut antreten. Seine Amtszeit wäre regulär im Januar kommenden Jahres zu Ende gegangen.

Angesichts immer neuer Details in der Korruptionsaffäre hatten vergangene Woche Zehntausende Menschen gegen Pérez' Regierung protestiert und die Absetzung des Staatschefs gefordert. Auch die einflussreiche katholische Kirche hatte ihn zum Rücktritt aufgefordert.

Das rund 15 Millionen Einwohner zählende Land wird seit Monaten von einer Reihe von Korruptionsskandalen erschüttert. Die frühere Vizepräsidentin Roxana Baldetti ist bereits wegen illegaler Bereicherung festgenommen worden. Mehrere Minister traten zudem zurück.