Nach Islamkritik: AfD legt sich mit den Kirchen an

Aus der AfD kommt immer lautere Kritik an den beiden großen Kirchen.

Nach Islamkritik: AfD legt sich mit den Kirchen an
Matthias Balk Nach Islamkritik: AfD legt sich mit den Kirchen an

Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron warf der katholischen und der evangelischen Kirche vor, über ihre Wohlfahrtsverbände «unter dem Deckmantel der Nächstenliebe» ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen. Die katholische Kirche reagierte empört. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte: «Ich finde das ziemlich unverschämt.»

Bystron unterstellte den großen Kirchen, sie hätten aus kommerziellen Gründen ein großes Interesse an weiterer Flüchtlingszuwanderung. «Die vordergründig propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit finanziert zugleich eine gigantische Wohlfahrtsindustrie unter dem organisatorischen Dach der Kirchen», schrieb Bystron in einem Beitrag der «Huffington Post». Kirchliche Organisationen und Unterorganisationen nutzten zur Gewinnmaximierung oft die Hilfsbereitschaft unbezahlter Ehrenamtlicher über Monate aus, während sie Kommunen, Land und Bund für Aufbau und Betrieb von Flüchtlingsunterkünften saftige Rechnungen präsentierten. Bystron verlangte ein «Ende der Kirchensubventionierung durch Steuergelder».

Kirchliche Träger etwa von Flüchtlingsheimen erhalten genau wie andere Betreiber Geld vom Staat. In den Kirchen gibt es aber auch eine Vielzahl von anderen Initiativen, Flüchtlingen bei der Integration zu helfen: So stellten Kirchengemeinden tausende Unterkünfte sowie Räume für Freizeit- und Beratungsangebote bereit.

Bystron warf der katholischen Kirche außerdem vor, die AfD vom Katholikentag in Leipzig ausgeschlossen zu haben. AfD-Politiker wurden nicht zu Diskussionsrunden bei dem Treffen eingeladen.

«Das unreflektierte Gerede von Herrn Bystron weise ich zurück. Es ist ein mit keinem einzigen Faktum belegtes Gequatsche, das wenig von einer sachlichen Diskussion zeugt», sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der Deutschen Presse-Agentur am Rande des Katholikentages. «Wer so entgleist, schlägt allein 200 000 ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe der Kirchen Tätigen ins Gesicht», fügte Kopp hinzu.

Bystrons Position sei nicht mit dem Bundesvorstand abgestimmt worden, sagte ein Parteisprecher auf Anfrage. Allerdings hatte Parteivize Alexander Gauland diese Woche in einem Interview der «Zeit»-Beilage «Christ & Welt» gesagt, die Kirchen versuchten in der Flüchtlingspolitik, «den Staat zu manipulieren».

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hatte den Kirchen im Februar vorgeworfen, sie engagierten sich nicht genügend für verfolgte Christen im Mittleren Osten. In einem Interview sagte sie damals: «Inzwischen erheben einige Amtsträger der deutschen Kirchen ihre Stimme offenbar mehr für Muslime als für die eigenen Glaubensbrüder. Hier gibt es ein deutliches Ungleichgewicht.»

Wie die Kirche mit der AfD umgeht, hängt nach den Worten von Hannovers Landesbischof Ralf Meister von ihrem Bekenntnis zur Glaubensfreiheit ab. Der evangelische Bischof sagte am Donnerstag in Hannover, laut Grundgesetz dürfe niemand wegen seiner Rasse, Herkunft oder Religion benachteiligt oder bevorzugt werden. Daran seien Parteiprogramme zu messen.