Nach Mord an Cox: Brexit-Wahlkampf ruht

Nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten und Brexit-Gegnerin Jo Cox (41) gehen die Ermittlungen zu den Hintergründen der Bluttat weiter. Die Polizei konzentriert sich inzwischen auf mögliche Kontakte des Tatverdächtigen zu rechtsextremen Gruppen.

Nach Mord an Cox: Brexit-Wahlkampf ruht
Hannah Mckay Nach Mord an Cox: Brexit-Wahlkampf ruht

Vor der Volksabstimmung über die britische EU-Mitgliedschaft am 23. Juni wollen beide Lager auch am Samstag ihren Wahlkampf ausgesetzt lassen - die Austrittsbefürworter kündigten aber kleinere Aktionen wie Hausbesuche an.

Die Labour-Angeordnete und Brexit-Gegnerin Cox war am Donnerstag in ihrem Wahlkreis in Nordengland auf offener Straße niedergestochen und niedergeschossen worden und starb wenig später in einer Klinik. Die Polizei teilte am Freitagabend mit, man gehe von einem «isolierten, aber gezielten Angriff» aus.

Der 52-jährige Täter wird am Samstag dem Haftrichter vorgeführt, berichtete die Agentur PA. Ihm werde unter anderem Mord und Besitz einer Feuerwaffe zum Zweck einer strafbvaren Handlung vorgeworfen.

Das politische Leben in Großbritannien war nach der Bluttat an der Labour-Abgeordneten und Brexit-Gegnerin Cox wie gelähmt. Die Folgen des Attentats für das Referendum am 23. Juni, bei dem die Briten über den Verbleib ihres Landes in der EU entscheiden, blieben aber völlig unabsehbar.

Der Sender BBC meldete, in der Wohnung des Tatverdächtigen seien Nazi-Insignien gefunden worden. Zuvor hatten Medien berichtet, dass der 52-Jährige Verbindungen zu US-Neonazis und südafrikanischen Rassisten gehabt haben soll.

Der Tatverdächtige sei längere Zeit Unterstützer der US-Gruppe Nationale Allianz gewesen, schrieb die «Washington Post» unter Berufung auf das Southern Poverty Law Center. 1999 habe er sich ein Handbuch bestellt, in dem auch eine Gebrauchsanweisung zum Bau einer Pistole enthalten gewesen sei. Die britische Zeitung «Daily Telegraph» berichtete zudem, der Mann habe früher eine Zeitung abonniert, die von einer südafrikanischen Pro-Apartheid-Organisation herausgegeben worden sei.

Die Polizei geht aber auch Hinweisen nach, wonach der festgenommene 52-Jährige psychische Probleme gehabt haben und in Behandlung gewesen sein soll. Die Zeitung «The Telegraph» zitierte in ihrer Online- Ausgabe einen Bruder des mutmaßlichen Täters mit den Worten, der 52-Jährige habe eine «Geschichte psychischer Krankheiten, allerdings hatte er Hilfe gehabt».  

Am Montag kommt das britische Unterhaus zu einer Sondersitzung zusammen, um die Tote zu ehren. In einer demonstrativen Geste der Gemeinsamkeit legten Premierminister David Cameron und Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn am Freitag Blumen in Birstall in Yorkshire nieder, wo Cox am Donnerstag brutal überfallen wurde. Corbyn nannte das Verbrechen, das auch international Bestürzung auslöste, einen «Angriff auf die Demokratie», Cameron verurteilte Hass und Hetze in der politischen Debatte.