Nach schwerem Kampf: Birnbacher schafft WM-Norm

Der Kampf hat sich für Andreas Birnbacher gelohnt. Nach Momenten des Zweifelns und Fast-Aufgebens hat der 33 Jahre alte Biathlet beim Weltcup-Auftakt in Östersund nachgewiesen, dass mit ihm nach wie vor zu rechnen und er kein Auslaufmodell ist.

Nach schwerem Kampf: Birnbacher schafft WM-Norm
Kay Nietfeld Nach schwerem Kampf: Birnbacher schafft WM-Norm

«Ich wusste, dass ich es noch drauf habe und konkurrenzfähig bin. Es fällt ein riesen Stein von mir ab. So könnte es weitergehen», meinte der Schlechinger nach seinem siebten Platz in der Verfolgung sichtlich erleichtert. Damit knackte er wie Erik Lesser und Simon Schempp gleich zum Saisonanfang die interne WM-Norm.

Nicht jeder hatte Birnbacher, der in den vergangenen Jahren zu den stabilsten Leistungsträgern im deutschen Team gehörte, das in der Form zugetraut. Denn hinter dem Bayern liegt eine schwierige Zeit. Nach dem enttäuschenden Olympia-Jahr war Biathlon «weit weg. Ich war komplett weg und außen vor», erzählte Birnbacher. Zweifel kamen auf und immer öfter der Gedanke: «Ich quäle mich nicht mehr.» Am schlimmsten war es im Frühjahr: «Da war ich völlig ausgebrannt und konnte mir vom Kopf her nicht mehr vorstellen, noch eine Saison und so eine harte Vorbereitung zu machen.»

Doch irgendwann merkte Birnbacher, dass es so nicht weitergehen kann, er immer unzufriedener wird. «Das war noch viel schlimmer für mich, dass ich rumhing und ziellos durch die Gegend gesteuert bin», bekannte der Familienvater, der dann im Mai wieder ins Training einstieg. «Mir ging es vom Kopf her sofort wieder besser. Ich habe gemerkt, dass ich noch viel zu gut bin, um aufzuhören.»

Die Misere Birnbachers begann im Sommer 2013. Beim Fußball zog sich der sechsmalige Weltcupsieger einen Innenbandriss zu und musste mehrere Wochen pausieren. Danach fing er zu schnell wieder mit dem Training an. «Ich habe zu wenig auf meinen Körper gehört, wollte mit Blick auf Olympia nichts verpassen», erzählte er und machte die fehlende notwendige Regeneration als einen der Hauptgründe für seine verpatzte Olympia-Saison aus. Danach schlichen sich peu à peu Fußschmerzen ein, die er zu lange ignorierte.

Beim Saisonhöhepunkt war er deshalb nicht in Form und musste frustriert zuschauen, wie Daniel Böhm für ihn mit der Staffel Olympia-Silber holte. Im März beendete Birnbacher die Saison vorzeitig und ließ sich am rechten Sprunggelenk operieren. Im Juni, an einem Freitag, den 13., rutschte er beim Skirollern aus und brach sich die Schulter. Wieder Schmerzen, wieder Trainingsausfall. Aber Birnbacher biss sich wieder durch.

Zwar musste er sich erstmals seit vielen Jahren bei internen Ausscheidungsrennen für das A-Team qualifizieren. Aber die Trainer schenkten ihm das Vertrauen. «Wir haben ihn ja deshalb auf Trainerentscheid mitgenommen, weil wir wussten, was er kann, und das hat er bestätigt», sagte Bundestrainer Mark Kirchner.

Derzeit plant Birnbacher von Rennen zu Rennen. Selbst ein mögliches Karriereende, sollte es in der weiteren Saison doch nicht so wie erhofft laufen, macht ihm keine Angst. «Ich lasse mir viele Optionen offen und mache mir nicht jeden Tag einen Kopf da drüber. Müssen muss überhaupt nichts, weil in diesem Bereich kann man eh nichts erzwingen», sagte Birnbacher.

Doch viel lieber will er jedes Rennen laufen. «Wenn alles passt, kann ich es auf jeden Fall auf das Podium schaffen», glaubt Birnbacher. Wann es eine gute Saison wäre? «Wenn ich bei der WM dabei wäre und wenn sich wieder das Gefühl von vor zwei Jahren entwickelt, wo ich immer wieder mal auf das Podest laufen konnte. Und ich bei der WM die Ausgangsposition habe, dass ich um die Medaillen mitkämpfen kann.»