Nach schweren Unwettern weiter Alarmzustand in Genua

Nach schweren Unwettern und Überschwemmungen ist in der norditalienischen Stadt Genua keine Normalität in Sicht. Die höchste Warnstufe für die Region wurde bis Montagabend verlängert, nachdem weitere Regenfälle und Unwetter vorhergesagt wurden.

«Wir sind noch immer im Alarmzustand. Die Vorhersagen sind nicht ermutigend», sagte Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli. In der Hafenstadt sind mehrere Flüsse über die Ufer getreten, Straßen stehen unter Wasser, Häuser wurden evakuiert. Bilder vom Samstag zeigten schwere Zerstörungen.

Eine 27 Jahre alte Helferin wurde laut Nachrichtenagentur Ansa ins Krankenhaus gebracht, nachdem sie bei den Rettungsarbeiten zusammengebrochen war. Ein Erdrutsch machte die Bahnstrecke zwischen Genua und Ovada unpassierbar. Und auch bei den Verbindungen nach Turin und Mailand kam es weiter zu Behinderungen, nachdem am Freitag ein Zug entgleist war. Der Schaden in den betroffenen Gebieten wird auf Hunderte Millionen Euro geschätzt. Am Freitag war ein 57 Jahre alter Mann in den Fluten ums Leben gekommen.

Die Rettungskräfte sind weiter im Dauereinsatz. Verstärkung aus benachbarten Regionen ist unterwegs. Schulen und öffentliche Gebäude sind geschlossen.

Der Erzbischof von Genua, Angelo Bagnasco, besuchte die betroffenen Stadtteile und sprach den Menschen Mut zu. Zuvor hatte er nach eigenen Angaben mit Papst Franziskus telefoniert, der seine Solidarität zum Ausdruck bringen wollte. «Genua hat reagiert, aber das reicht nicht. Es muss mehr getan werden», kritisierte Bagnasco.

Am Freitag war ein Streit über die möglicherweise zu späte Reaktion der Behörden ausgebrochen. «Sicherlich gab es Fehler, das sage ich ohne Umschweife», gab Zivilschutzchef Gabrielli zu. «Einige Dinge, die hätten umgesetzt werden können, wurden nicht realisiert, und das war ein Problem.» Schon 2011 war Genua von heftigen Unwettern getroffen worden, damals kamen sechs Menschen ums Leben.

Auch die italienische Fußball-Nationalmannschaft sprach den Opfern nach ihrem 2:1-Sieg in der EM-Qualifikation gegen Aserbaidschan ihr Mitgefühl aus. «Wir sind in Gedanken bei diesen Menschen, die dieses Drama durchstehen müssen», erklärte Nationaltrainer Antonio Conte. «Wir sind bereit, alles zu tun, was möglich ist, um ihnen zu helfen.»