Nach Terroralarm: Kein Hinweis auf geplanten Anschlag

Entwarnung nach Terroralarm in Brandenburg: Ermittler haben bei der Durchsuchung der Wohnung eines 27-Jährigen in Eisenhüttenstadt nach Angaben aus Polizeikreisen keine Hinweise auf einen geplanten terroristischen Anschlag gefunden.

Nach Terroralarm: Kein Hinweis auf geplanten Anschlag
Patrick Pleul Nach Terroralarm: Kein Hinweis auf geplanten Anschlag

In der Wohnung seien auch keine Anhaltspunkte für einen möglichen islamistischen Hintergrund entdeckt worden, hieß es am Nachmittag. Stattdessen habe man lediglich zwei Böller gefunden. Der Mann gelte als «psychisch nicht gefestigt».

Der Mann war zuvor festgenommen worden. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte erklärt, der Zugriff sei wegen des Verdachts eines «geplanten terroristischen Akts» mit einem möglichen islamistischen Hintergrund erfolgt. Dies müssten aber die laufenden Ermittlungen klären, betonte Woidke.

Zunächst war über einen möglicherweise in Eisenhüttenstadt geplanten Terroranschlag spekuliert worden. Erste Informationen, wonach der Mann einen Anschlag auf das Stadtfest geplant haben soll, wurden aber nicht bestätigt. Auch für Hinweise zu einem salafistischen Hintergrundes gab es keine Quelle.

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft ist der Mann deutscher Staatsbürger. Mit dem Einsatz sei Hinweisen nachgegangen worden, wonach der Festgenommene Sprengmaterialien in seiner Wohnung gelagert habe. Zunächst sei bei der Durchsuchung der Wohnräume des Tatverdächtigen nur geringe Mengen von Pyrotechnik gefunden worden.

Die Polizei durchsuchte die Wohnung mit Sprengstoffhunden. Vor dem dreigeschössigen Gebäude in der Wohnsiedlung von Eisenhüttenstadt waren mehrere Polizeifahrzeuge zu sehen. Spezialkräfte in Schutzanzügen waren in dem Haus aktiv. Großräumige Absperrungen gab es aber nicht.

Das Stadtfest in Eisenhüttenstadt ist an drei Tagen vom 26. bis zum 28. August geplant. Die Verwaltung will am Stadtfest festhalten. «Die Planung läuft erst einmal weiter», hieß es am Mittwoch. «Wir stehen derzeit in engem Kontakt mit der Polizei.» In der Stadt mit rund 30 000 Einwohner sitzt auch die zentrale Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Brandenburg.

Im Juli hatte eine Serie von Gewalttaten innerhalb einer Woche Deutschland erschüttert: In Würzburg ging am 18. Juli ein 17-Jähriger mit Axt und Messer auf Fahrgäste einer Regionalbahn los - fünf Menschen wurden verletzt.

Drei Tage später tötete ein 18-Jähriger in München mit einer Waffe neun Menschen und anschließend sich selbst. Am 24. Juli sprengte sich in Ansbach auf einem Platz vor einem Konzert ein 27-Jähriger in die Luft, 15 Menschen wurden verletzt.

Der Verfassungsschutz geht von mehr als 43 000 Menschen in der islamistischen Szene in Deutschland aus. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam. Rund 8650 Leute werden inzwischen der Salafisten-Szene zugerechnet. Die Sicherheitsbehörden stufen viele Islamisten als gefährlich ein.