Nach Warnung: FIFA sieht Reformkurs nicht beschädigt

Trotz der klaren Warnung aus den USA und der neuen Anklagewelle gegen Fußball-Funktionäre sieht die FIFA ihre als revolutionär deklarierten Reformpläne nicht beschädigt. Im Gegenteil.

Am Tag nach der Festnahme von zwei weiteren Vizepräsidenten kurz vor dem Votum des Exekutivkomitees für ein umfangreiches Erneuerungskonzept lautete die Botschaft aus dem Hauptquartier des Weltverbandes: Die Reformen sind die richtige Antwort und wichtiger denn je.

Von einem Nackenschlag oder getrübtem Reformeifer wollte man in der Administration in Zürich nichts wissen. «Es ist der Beginn eines Kulturwandels», hatte der umstrittene Interimschef Issa Hayatou die Haltung vorgegeben. Das internationale Echo auf die Koinzidenz von Schweizer Festnahmen, US-Ermittlungen und Reformentscheidungen war aber deutlich: Die FIFA steht wieder am Pranger.

«Die FIFA zeigt zum x-ten Male, wie sie vom Wandel spricht, ohne überhaupt zu wissen, was das heißt. Die Exekutive, oder was davon übrig bleibt, debattiert einen ganzen Tag über Transparenz, Altersgrenzen und neue Regeln, aber dann findet sie sich mit der Realität konfrontiert», schrieb die italienische Zeitung «La Stampa».

Auch aus England kam ein kritisches Urteil: «Die neuen Festnahmen bei den FIFA-Ermittlungen sind ein dramatisches neues Kapitel in der Erzählung über das verfaulte Herz des Fußballs. Die Rollenbesetzung in der jüngsten Phase in den Korruptionsermittlungen gegen den Weltverband war eine andere, aber das Thema hat sich kein bisschen geändert», konstatierte der «Guardian».

US-Generalstaatsanwältin und Justizministerin Loretta Lynch machte mit ihren Aussagen in Washington deutlich, dass die Ermittlungen ihrer Behörde in der wohl größten Untersuchung gegen Korruption im Fußball weitergehen. Ruhe wird bei der FIFA also nicht einkehren, unabhängig aller Umstrukturierungen der Verbandsgremien, die nun bis zum außerordentlichen Kongress am 26. Februar den 209 nationalen Verbänden als letzter Hürde schmackhaft gemacht werden müssen.

«Die Botschaft dieser Mitteilung sollte jedem schuldhaften Individuum klar sein, dass im Dunklen bleibt, in der Hoffnung, sich unseren Untersuchungen entziehen zu können: Sie können die Sache nicht aussitzen, sie werden unserem Fokus nicht entkommen», sagte Top-Juristen Lynch nach den neuen Anschuldigungen und Festnahmen wegen illegaler Millionendeals im süd- und mittelamerikanischen Fußball.

Beunruhigend für die FIFA war die neue Namensliste der von Lynch angeklagten Funktionäre. Ein Abschieben der Problematik Richtung entfernter Konföderationen oder Mitgliedsländer ist schwer möglich. Auch wenn künftig mit einem Council als Aufsichtsrat anstelle des mächtigen Exekutivkomitees und verstärkten Integritätschecks alles besser werden soll.

Neben fünf ehemaligen und früheren Mitgliedern des Exekutivkomitees sind unter den 16 der massiven Korruption beschuldigten Männern auch mehrere aktuelle Mitglieder der ständigen FIFA-Komitees - darunter ausgerechnet aus Abteilungen für Fair Play und soziale Verantwortung (Jimenez Brayan/Guatemala), der FIFA-Disziplinarkommission (Ariel Alvarado/Panama) und sogar aus dem Komitee für gute Unternehmensführung (Romer Osuna/Bolivien).

Letztere wird von FIFA-Reformarchitekt Domenico Scala geführt, der ein Experte für die Integritätschecks von Funktionären sein soll. Dieses Instrument bezeichnet die FIFA als maßgebliche Verbesserung bei der künftigen Auswahl von Amtsinhabern durch externe Personen und als Kernfaktor der Reformen - bislang hat dies offenbar nicht mal in der Kommission von Scala selbst funktioniert.

«Ich stelle keine Hypothesen auf, aber es sind klare Vorschläge», hatte der Chef der Reformkommission, Francois Carrard, am Donnerstag auf die Frage gesagt, ob mit den Reformen Verfehlungen künftiger Funktionäre ausgeschlossen sein. Der Schweizer scheint zu wissen: Das System könnte weiter Löcher haben.

Der Weltverband verweist darauf, dass gerade die Zahl der ständigen Komitees, in denen nun mehrere Beschuldigte saßen, von 26 auf 9 verkleinert werden soll. «Viele Komitees gab es nur, weil jeder der 209 Mitgliedsverbände irgendwo vertreten sein sollte», gab Carrard einen erschütternden Einblick in die alte FIFA-Philosophie.