Nachfrage nach Arbeitskräften erreicht Rekordhoch

Der wachsende Konjunkturoptimismus in vielen Unternehmen hat zum Jahresbeginn die Nachfrage nach Arbeitskräften auf ein Rekordhoch klettern lassen.

Noch nie seit dem Beginn entsprechender Aufzeichnungen habe es mehr freie Stellen in deutschen Betrieben gegeben, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mit.

Der von der Bundesagentur seit 2004 ermittelte monatliche Stellenindex BA-X ist im Januar auf 183 Punkte gestiegen; das sind 2 Punkte mehr als im Dezember und 18 mehr als vor einem Jahr. Inzwischen ist die Nachfrage nach Mitarbeitern sogar größer als im Boomjahr 2011, geht aus der BA-Statistik hervor.

Als Grund für die anhaltende Aufwärtsentwicklung sieht die Bundesagentur unter anderem «die positive wirtschaftliche Grundstimmung und die optimistischen Ausblicke der Unternehmen», heißt es in einer BA-Mitteilung. Getragen werde das Stellenwachstum vor allem von konjunkturunabhängigen Dienstleistern. So entfielen zehn Prozent der Stellen auf das Gesundheits- und Sozialwesen.

Bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit macht sich derweil das zur Jahreswende einsetzende Winterwetter zunehmend bemerkbar. Dennoch fiel die im Januar übliche Winterarbeitslosigkeit deutlich schwächer aus als sonst üblich, sind Experten überzeugt. Statt der sonst üblichen 300 000 bis 330 000 sei die Zahl der Erwerbslosen im Januar lediglich um rund 270 000 auf 3,035 Millionen gestiegen, berichteten Konjunkturforscher und Volkswirte deutscher Großbanken in einer dpa-Umfrage.

Damit wären erstmals seit März 2014 wieder mehr als drei Millionen Menschen ohne Arbeit. Dies wären rund 100 000 weniger als vor einem Jahr, geben die Fachleute zu bedenken. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit an diesem Donnerstag (29. Januar) in Nürnberg veröffentlichen

Ohne die zum Jahresbeginn in Kraft getretene Mindestlohnregelung wäre die Winterarbeitslosigkeit aber wahrscheinlich noch niedriger, betonten die meisten Ökonomen. «Der Mindestlohn hat die Entwicklung im Januar sicher etwas gedämpft», ist etwa der Arbeitsmarktexperte des Münchner Ifo-Instituts, Steffen Henzel, überzeugt. Auch Commerzbank-Volkswirt Achim Tuchtfeld geht davon aus, dass «der Mindestlohn Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen wird».

Wegen des niedrigen Ölpreises und dem schwachen Euro, von dem vor allem exportorientierte Unternehmen profitieren dürften, erwarten die meisten Volkswirte für das Jahr 2015 einen etwas stärkeren konjunkturellen Schub. Einige Volkswirte rechnen im Jahresschnitt mit rund als 2,82 Millionen Arbeitslosen. Dies wären knapp 80 000 weniger Jobsucher als im Jahr 2014.