Nachschlag: David Bowie, Matthew E. White, Grizzly Bear

Oft ist es ja nur Beutelschneiderei, wenn Plattenfirmen vor Weihnachten mit erweiterten Versionen unlängst erschienener Alben locken. Aber es gibt auch sinnvolle Nachschlag-Angebote - siehe David Bowie, Matthew E. White und Grizzly Bear.

Nachschlag: David Bowie, Matthew E. White, Grizzly Bear
Nachschlag: David Bowie, Matthew E. White, Grizzly Bear

DAVID BOWIE: Comeback komplett

Inhalt: Die edle kleine Box (Sony) enthält - über das Anfang 2013 mit sensationellem Erfolg veröffentlichte Bowie-Comebackalbum «The Next Day» hinaus - eine zweite CD mit zehn Remixes und Bonus-Tracks sowie eine DVD mit vier Videos («Where Are We Now?», «The Stars (Are Out Tonight)», «The Next Day», «Valentine's Day»). Außerdem drei Booklets: eines mit Texten («Language»), ein zweites mit aktuellen Bildern vom Meister und aus seinen Videos («Frame»), ein drittes mit leeren Blättern, wohl für eigene Notizen des Konsumenten («You»).

Mehrwert: Note 1. Nicht nur die vier Videos dürften dem Bowie-Fan zusätzliche Ausgaben wert sein, auch das Bonus-Material auf CD 2 lohnt die Anschaffung. Einige Songs sind zwar schon bekannt, wenn man im Frühjahr die um drei Tracks erweiterte Luxus-Version von «The Next Day» erworben hat. Aber mit «Atomica», «The Informer», «Like A Rocket Man» oder «God Bless The Girl» gibt es noch viel zu entdecken. Highlight: der James-Murphy-Remix von «Love Is Lost». Der Produzent des neuen Arcade-Fire-Albums verfolgt hier einen ganz ähnlichen Ansatz und verpflanzt Bowies ohnehin großartigen Song mit unwiderstehlichem Electro-Soul-Groove auf die Tanzfläche.

MATTHEW E. WHITE: Mehr Stoff vom Psychedelic-Soul-Jünger

Inhalt: Zusätzlich zum Anfang 2013 erschienenen, von der Popkritik hymnisch gepriesenen Album «Big Inner» (Domino) erhält der Fan das Five-Track-Minialbum «Outer Face»: bislang unveröffentlichte Songs des weißen Soulsängers aus Richmond/Virginia, der am 21. November in Berlin eine kleine Deutschland-Tour startet.

Mehrwert: Note 2. Es sind zwar nur fünf neue Stücke und knapp 27 Minuten Laufzeit, aber die stellen eine sehr sinnvolle Ergänzung des relativ kurz geratenen White-Debüts aus dem vorigen Winter dar. Wieder unterlegt der talentierte Gitarrist und Arrangeur seine eher bescheidene Stimme mit teils abgedrehten Streichersätzen, souligen weiblichen Background-Vocals und psychedelischen Grooves im Stil der 60er/70er Jahre. Die Tracks klingen experimenteller als die Songs des Originalalbums, sie fransen auch mal aus. Eine Auslagerung auf diese nachgereichte EP ist daher inhaltlich begründet und mehr als nur schnöde Gewinnmaximierung. Mit «Big Inner: Outer Face Edition» qualifiziert sich White endgültig für die Jahresbestenliste 2013.

GRIZZLY BEAR: Bonus-Tracks, B-Sides, Demos und «Shields»-Remixes

Inhalt: Schon etwas länger liegt die Veröffentlichung des jüngsten Albums von Grizzly Bear zurück - «Shields» (Warp/Rough Trade) erschien im September 2012 und zierte bereits vor einem Jahr die Bestenlisten vieler Popkritiker. Jetzt also «Shields Expanded» - das Originalalbum mit den zehn gut abgehangenen, ultraschlauen Frickel-Folkrock-Songs und eine zweite CD mit acht Bonus-Tracks, Single-B-Seiten, Demo-Versionen und Remixes (etwa die von Nicolas Jaar zum tollen «Sleeping Ute»).

Mehrwert: Note 2. Zwar hält sich der Neuigkeitswert in Grenzen - die acht Zusatzstücke gehen kaum über die Eindrücke von «Shields» hinaus. Aber schon der Bonus-Track «Smothering Green» ist ein echtes Highlight, das ganz wunderbar aufs letztjährige Originalalbum gepasst hätte. Und auch sonst haben die nachgereichten Stücke alles, was man an den vier Jungs aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn so mag, erweitert um den einen oder anderen Dancefloor-Ausflug (etwa «Gun-Shy» im Lindstrom-Remix). Von schamloser Abkassiererei bei treuen Fans kann also auch hier nicht die Rede sein - «Shields Expanded» ist mit insgesamt 18 Tracks nun erst recht essenziell.