Nam June Paik, Schlingensief, Uecker und das Fernsehen

Das lineare Fernsehen kommt allmählich aus der Mode - für das Kunstmuseum Bonn ein geeigneter Zeitpunkt, um zurückzublicken und das klassische TV-Zeitalter zu besichtigen.

Nam June Paik, Schlingensief, Uecker und das Fernsehen
Henning Kaiser Nam June Paik, Schlingensief, Uecker und das Fernsehen

Vom 1. Oktober bis zum 17. Januar 2016 zeigt die Ausstellung «Tele-Gen - Kunst und Fernsehen» insgesamt 44 Arbeiten unter anderem von Günther Uecker, Dennis Hopper, Nam June Paik, Christoph Schlingensief und Andy Warhol.

Das Spektrum reicht von Gemälden und Zeichnungen über Fotos und Installationen bis zur Videokunst. «Es ist ein Stück weit eine Archäologie der Fernsehgeschichte», sagte Museumsintendant und Ausstellungsmacher Stephan Berg der Deutschen Presse-Agentur.

Als sich die Künstler dem jungen Medium zu Beginn der 60er Jahre erstmals zuwandten, taten sie das mit einer ziemlichen Wut im Bauch: Nam June Paik etwa stapelte kaputte Fernseher auf, Günther Uecker benagelte ein Gerät und transformierte es dadurch zum Kunstobjekt. «Die Künstler haben fast versucht, das Fernsehen wie einen Dämon auszutreiben», erläuterte Berg.

Dabei dürfte ein gehöriges Maß an Frustration mit im Spiel gewesen sein: «Das Fernsehen war ein Medium, das letztlich ganz viel von dem erfüllt hat, was die Avantgarde-Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch mal erreichen wollte, nämlich: die Gesellschaft zu verändern», meinte Berg. «Und in den 50er Jahren kommt dann das Fernsehen und entwickelt eine Omnipräsenz und Omnipotenz, die in gewisser Weise das einlöst, was der Kunst zuvor nicht gelungen ist.»

Im Vergleich dazu stehen heutige Künstler dem Medium sehr viel differenzierter gegenüber, vor allem setzen sie sich nun auch mit den Inhalten auseinander. «Das Schöne ist eigentlich, dass Künstler nun durchaus die Suggestivkraft, die Inszenierungsmacht und die ikonische Bildlichkeit, die Fernsehen erzeugen kann, ernst nehmen, sich seiner bedienen und mit diesem Stoff spielen», sagte Berg. «Bestätigung und kritische Distanz halten sich dabei in etwa die Waage.»