Sonnenflieger will riskante Pazifik-Überquerung wagen

Jetzt kommt die «Stunde der Wahrheit»: Nach fünf Wochen des Wartens wegen schlechten Wetters hat die Flugkontrolle grünes Licht für die erste Pazifik-Überquerung eines Solarflugzeuges gegeben.

Sonnenflieger will riskante Pazifik-Überquerung wagen
Ali Haider Sonnenflieger will riskante Pazifik-Überquerung wagen

In Nanjing in Ostchina liefen am Montag alle Vorbereitungen für den Start des Schweizer Sonnenfliegers «Solar Impulse 2» um 21.00 Uhr MESZ (Dienstag 3.00 Uhr Ortszeit) zu dem Flug nach Hawaii. Es ist mit sechs Tagen die längste und gefährlichste Etappe auf der Weltumrundung des Fliegers, der nur mit Sonnenenergie betrieben wird. Nie zuvor ist ein Solarflugzeug so weit an einem Stück geflogen.

«Es ist extrem schwierig und heikel», sagte der Abenteurer André Borschberg, der im Cockpit sitzen wird, am Montag wenige Stunden vor dem Start in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Der Flug über den Pazifik ist die größte fliegerische Herausforderung, die ich jemals angenommen habe.» Auf den zwölf Etappen der Weltreise wechselt sich der erfahrene Pilot mit seinem Kollegen, dem Luftfahrtpionier Betrand Piccard (57), im Cockpit ab.

Es ist auch körperlich eine Herausforderung. Borschberg wird auf dem 8172 Kilometer langen, sechstägigen Flug nach Hawaii nur maximal 20 Minuten am Stück schlafen können. Mit Yogatechniken und Gymnastik im Liegen will sich der 62-jährige Abenteurer in dem kleinen Cockpit fit und wach halten. Die nächste Etappe von Hawaii an die amerikanische Westküste soll dann Piccard übernehmen.

«Jeden Tag müssen wir genug Energie von der Sonne einsammeln, um Tag und Nacht zu fliegen», sagte Borschberg. Es sei über dem Pazifik schwierig, das richtige Wetter zu finden. Das Flugkontrollzentrum in Monaco werde ständig die meteorologischen Bedingungen analysieren, um Route und Flughöhe anzupassen. «Wenn das Flugzeug höher steigt, fallen die Temperaturen drinnen auf minus 20 bis 40 Grad.»

Die Weltumrundung hatte Anfang März im Golfemirat Abu Dhabi begonnen und über Indien und den Himalaya nach Ostchina geführt. Mit dem Vorhaben wollen die Abenteurer auf die Möglichkeiten der Sonnenenergie hinweisen. «Wir wollen jeden anspornen, die Technologie für einfache Lösungen zu nutzen, um das Probleme anzugehen, das wir unseren Planeten ausplündern, in dem wir mehr Energie verbrauchen als die Welt zur Verfügung stellen kann», sagte Borschberg.

«Die Technologie, mit der dieses Flugzeug gebaut wurde, steht jedem zur Verfügung, um eigene Anwendungen zu bauen», sagte der Pilot. Angetrieben wird das einsitzige Karbonfaser-Flugzeug von vier Elektromotoren. Mehr als 17 000 Solarzellen zapfen der Sonne die erforderliche Energie ab. Die Zellen sitzen auf den Flügeln mit einer Spannweite von 72 Metern - das ist mehr als bei einem Jumbojet. Gespeichert wird die Solarenergie in Lithium-Batterien.

Einige Länder machten große Schritte mit grünen Technologien, sagte Borschberg. «Aber andere Länder bauen immer noch auf eine Weise, die jede Menge Energie verbraucht.» Das Potenzial umweltfreundlicher Lösungen sei aber enorm. Es lasse sich «sehr schnell sehr viel Energie sparen». In China, dem größten Energieverbraucher der Welt, seien sie auf großes Interesse gestoßen.

Schon heute sei die - nach den USA - zweitgrößte Wirtschaftsnation die Nummer eins in der Solarenergie. «Ich bin überzeugt, dass China auch die Nummer eins in grüner Technologie wird», sagte Borschberg. Den Chinesen sei bewusst, dass sie mit der Luftverschmutzung in ihren Metropolen vor großen Herausforderungen stünden.

Gelingt die Pazifik-Überquerung, muss «Solar Impulse 2» von den USA aus noch die ebenfalls harte Etappe über den Atlantik meistern und will dann nach Südeuropa und Nordafrika weiterfliegen. Im nächsten Sommer wollen die beiden Abenteurer mit ihrem Sonnenflieger wieder am Persischen Golf ankommen.