Nasenkuss und Kriegstanz: Merkel lernt Neuseeland kennen

Ritual der Maori begrüßt worden.

Nasenkuss und Kriegstanz: Merkel lernt Neuseeland kennen
Kay Nietfeld Nasenkuss und Kriegstanz: Merkel lernt Neuseeland kennen

Bei dieser Willkommenszeremonie der Ureinwohner des Landes wird der Gast symbolisch als gestrandetes Boot betrachtet, das mit dem festen Aneinanderdrücken von Nase und Stirn in Sicherheit gebracht wird. Merkel verfolgte am späten Donnerstagabend die Aufführung mit ernstem Blick. Die Maori schnitten angsteinflößende Grimassen und stießen laute Schreie aus.

Das Hauptaugenmerk während des Besuches liegt aber auf der Wirtschaftspolitik. Mit Premierminister John Key wollte Merkel in Auckland, dem Wirtschaftszentrum Neuseelands, über eine Vertiefung der Beziehungen sprechen. Die ökonomischen Beziehungen beider Länder gelten als unproblematisch. 2013 betrug das Handelsvolumen 1,65 Milliarden Euro, wobei Deutschland in sehr viel größerem Umfang Waren nach Neuseeland exportiert als aus dem Land importiert. Vor der Auckland-Universität will Merkel eine Rede zur deutschen Wirtschafts- und Forschungspolitik halten und mit Studenten sprechen.

Als besonderen Programmpunkt wird für die Kanzlerin die Besichtigung eines Projekts zur Rettung des vom Aussterben bedrohten Kiwi, ein Schnepfenstrauß, auf der Insel Motutapu organisiert. Dort soll eine sehr seltene Gattung der insgesamt etwa 70 000 noch lebenden Vögel in Neuseeland angesiedelt werden: der Coromandel Brown Kiwi. Von ihm gibt es nur noch 1500 Exemplare auf der Coromandel Halbinsel. Bisher konnten 18 Kiwi-Küken aufgezogen und auf Motutapu ausgesetzt werden. Kiwi sind so groß wie Hühner, nachtaktiv und können nicht fliegen. Der Vogel ist das Nationalsymbol Neuseelands.

Der Anteil der Maori an der neuseeländischen Bevölkerung beträgt rund 15 Prozent. Nach langen Verhandlungen wurde vor einigen Jahren vereinbart, dass die Maori-Stämme für frühere Unterdrückung und Enteignung entschädigt werden. Ihnen wurden vor allem Waldflächen zugesprochen. Maori-Aktivisten halten das aber für unzureichend. Die Maori sind als politische Kraft etabliert und unterstützen die Regierung von Key und seiner konservativen National Party.