Nationalgarde rückt nach Randale in Baltimore ein

Ausnahmezustand in Baltimore: Nach gewaltsamen Ausschreitungen in der US-Metropole hat der Gouverneur von Maryland den Notstand ausgerufen und die Nationalgarde nach Baltimore entsandt.

Nationalgarde rückt nach Randale in Baltimore ein
Michael Reynolds Nationalgarde rückt nach Randale in Baltimore ein

In der Nacht waren die zunächst friedlichen Proteste wegen des Todes eines jungen Schwarzen in Polizeigewahrsam in offene Gewalt umgeschlagen. Gebäude gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert, Polizisten mit Steinen angegriffen. Als Reaktion wurde über die Stadt an der US-Ostküste eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Die Polizei sprach von den schwersten Unruhen in der Metropole seit Jahrzehnten. Augenzeugen meinten, Teile der Stadt seien in eine «Kriegszone» verwandelt worden. dpa-Reporter berichteten von vermummten Jugendlichen auf den Straßen, Rauch ziehe durch Straßenzüge, Hubschrauber kreisten am nächtlichen Himmel. Tausende Polizisten waren im Einsatz, es gab mehr als zwei Dutzend Festnahmen.

Nur Stunden zuvor war der 25-jährige Afroamerikaner Freddie Grays zu Grabe getragen worden. Gray war am 12. April festgenommen worden, wenig später erlitt er in Polizeigewahrsam eine Rückenmarkverletzung. Nach Angaben der Behörden fiel er später ins Koma und starb am 19. April im Krankenhaus. Einzelheiten seines Todes liegen noch immer im Dunklen. Die beteiligten sechs Polizisten wurden zunächst vom Dienst suspendiert. Das Justizministerium leitete Ermittlungen ein.

Die Ausgangsperre soll von heute an für eine Woche von 22.00 Uhr abends bis 05.00 Uhr morgens gelten, erklärte Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. Um die Gewalt in den Griff zu bekommen, rief Gouverneur Larry Hogan am Montagabend (Ortszeit) auch den Notstand aus. Bis zu 5000 Nationalgardisten sollen möglichst rasch einschreiten. «Die Nationalgarde ist das letzte Mittel, um die Ordnung wiederherzustellen», sagte der Gouverneur. Es handele sich nicht um Proteste und Demonstrationen. «Das sind Gangs und Diebe, die durch die Straßen ziehen.» Das könne nicht toleriert werden.

Offenbar wurde die Polizei von der Welle der Gewalt völlig überrascht. dpa-Reporter berichteten in der Nacht von einem Großfeuer im Osten der Stadt. Anwohner meinten jedoch, es sei nicht klar, ob der Brand mit den Unruhen zusammenhänge. Nach Angaben lokaler Medien brannte ein noch nicht fertiggestelltes kirchliches Altenzentrum. Zuvor war ein großer Drugstore im Zentrum in Flammen aufgegangen.

Der TV-Sender CNN zeigte Bilder von Plünderern, die in Baltimore mit vollgepackten Plastiktüten aus Geschäften stürmten. Autos wurden in Brand gesetzt. Bürgermeisterin Rawlings-Blake nannte die Randalierer «Verbrecher, die nur zur Gewalt anstacheln und unsere Stadt zerstören wollen». Reverend Jamal Bryant, der die Grabrede für Freddie Gray gehalten hatte, sagte: «Das ist nicht das, was sich die Familie ausgerechnet für heute gewünscht hat.»

Die Ereignisse wecken Erinnerungen an die schweren Unruhen im vergangenen Sommer in Ferguson in Missouri. Damals hatte ein weißer Polizist den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown erschossen - die Tat wurde zum Fanal. Immer wieder erschüttern seitdem Berichte über Polizeibrutalität gegen Schwarze das Land.