Nato-Warnung an Russland: Türkischer Luftraum bleibt tabu

Die Nato warnt Russland mit deutlichen Worten vor weiteren Verletzungen des türkischen Luftraums.

Das Eindringen in das Hoheitsgebiet des Bündnispartners stelle ein unverantwortliches Verhalten dar und sei extrem gefährlich, teilte die Verteidigungsallianz nach einer Sondersitzung auf Botschafterebene mit. Russland müsse alles dafür tun, dass es nicht zu weiteren Vorkommnissen dieser Art komme. Die Alliierten stünden fest an der Seite ihres Partners Türkei..

Zuvor hatte die türkische Regierung Moskau vor Verletzungen ihres Luftraumes gewarnt, nachdem türkische Flugzeuge einen russischen Kampfjet im Grenzgebiet zu Syrien abgefangen hatten. Russland bestätigte den Vorfall.

Nach Angaben der Nato kam es sowohl am Samstag als auch am Sonntag zu Verletzungen des türkischen Luftraumes durch russische Kampfflugzeuge vom Typ SU-30 and SU-24. Sie ereigneten sich in der Region Hatay, die an der türkischen Grenze zu Syrien liegt. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kritisierte: «Russlands Handeln trägt nicht zu Sicherheit und Stabilität der Region bei.»

Nach dem Vorfall vom Samstag hatte die Türkei dem russischen Botschafter eine Protestnote übergeben. Kremlsprecher Dmitri Peskow kündigte eine Prüfung an. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sprach von einer «versehentlichen» Verletzung des Luftraumes und einer «freundlichen Warnung».

Moskau und Ankara sind in der Frage des Syrien-Konfliktes gespalten. Russland hilft mit seinen Luftangriffen dem umstrittenen Machthaber Baschar al-Assad. Die Türkei dagegen unterstützt Kämpfer der moderaten Opposition, die Assad stürzen wollen.

Russland bombardiert nach eigener Darstellung seit Mittwoch vor allem Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Syrische Aktivisten und die USA bezweifeln dies und berichten von getöteten Zivilisten. US-Präsident Barack Obama hatte Russland am Wochenende vorgeworfen, mit seinen Attacken den IS indirekt zu stärken.

Auf die Frage, ob sich Moskaus Angriffe auch gegen Oppositionskämpfer richten, sagte Peskow Interfax zufolge: «Das Ziel des Einsatzes (...) ist die Unterstützung der Offensive der syrischen Streitkräfte im Kampf gegen terroristische und radikale Organisationen und gegen Kräfte, die sich auf dem syrischen Territorium befinden.»

Innerhalb von 24 Stunden flog Russland dem Verteidigungsministerium zufolge 25 neue Angriffe auf 9 angebliche IS-Stellungen in Syrien. Die russische Marine schickte zudem ein Aufklärungsschiff vor die syrische Küste, um Funkgespräche in der Kriegsregion abzufangen. Vor Syrien kreuzen bereits mehrere russische Kriegsschiffe.

Die Bundesregierung äußerte Zweifel an Russlands Darstellung seiner Luftangriffe in Syrien. «Wir fänden es wichtig, wenn Worte und Taten miteinander in Einklang stünden», sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, in Berlin. Deutschland glaube generell nicht an eine militärische Lösung des Syrien-Konflikts, betonte er.

Auch eine von den USA angeführte Koalition fliegt seit gut einem Jahr Luftangriffe in Syrien. Die Allianz will nach Informationen der «New York Times» eine Front aufbauen, um den Druck auf die IS-Hochburg Al-Rakka in Syrien zu verstärken. Demnach sollen Kampfflugzeuge der Alliierten bis zu 5000 arabische und 20 000 kurdische Kämpfer unterstützen. Das Blatt beruft sich auf ranghohe Regierungsbeamte.

Die Terrormiliz kontrolliert weite Teile Syriens und des Iraks. Hochburgen sind außer Al-Rakka in Syrien auch die beiden irakischen Städte Mossul und Ramadi.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) rief die Konfliktparteien in Syrien auf, Helfern Zugang zu in Not geratenen Menschen zu verschaffen. 7,6 Millionen Menschen sind dem DRK zufolge in Syrien auf der Flucht.