«Nei» aus Oslo - Bach: Keine Olympia-Neuausschreibung

Das «Nei» aus Norwegen zu den Winterspielen 2022 in Oslo hat das Internationale Olympische Komitee empfindlich getroffen und die Probleme der Ringe-Organisation offenbart. Von einer Krise für das Winter-Spektakel will IOC-Präsident Thomas Bach aber nicht sprechen.

«Das Hochglanzprodukt Winterspiele ist nach wie vor ein Hochglanzprodukt, wahrscheinlich mehr denn je», sagte Bach am Donnerstag der dpa. Der deutsche Spitzenfunktionär bedauerte den Verzicht Oslos auf eine Kandidatur, ein neues Bewerbungsverfahren angesichts von nur noch zwei statt einstmals neun Interessenten schloss er aber aus.

Das IOC werde nicht mitten im Rennen seine Regeln ändern, erklärte Bach und nannte den Rückzug der Norweger eine politisch motivierte Entscheidung einer Minderheitenkoalitionsregierung. «Es tut mir leid für den Sport in Norwegen und die Athleten, die eine großartige Gelegenheit verpasst haben, Olympische Spiele in ihrer Heimat zu zelebrieren», sagte Bach. Mit dem legendären Holmenkollen als Herz der Spiele hätte Oslo allerbeste Chancen auf einen Zuschlag gehabt und wäre zu einem Symbol für die Abkehr vom viel kritisierten Olympia-Gigantismus geworden.

Nach Oslos Ausscheiden bleiben bei der Vergabe am 31. Juli 2015 nur noch Peking und das kasachische Almaty als Bewerber für 2022 übrig. Chinas Hauptstadt gilt als Favorit und wäre nach Olympia 2008 die erste Gastgeber-Stadt für Sommer- und Winterspiele. Diese historische Chance hätten München, Barcelona und Stockholm auch gehabt - doch die Metropolen verzichteten schon vor Oslo wie auch Lwiw (Ukraine), Krakau (Polen) und der Schweizer Kanton Graubünden mit dem Wintersport-Mekka St. Moritz aus unterschiedlichen Gründen auf eine Kandidatur.

Widerstand in der Bevölkerung oder massive Sorgen vor einem nicht zu stemmenden finanziellen Kraftakt für das gut zweiwöchige Event waren die Hauptgründe für die sieben Absagen aus Europa. Oslo hatte mit Kosten von 4,3 Milliarden Euro kalkuliert. 2018 finden die Winterspiele in Pyeongchang in Südkorea statt. Die Sommerspiele 2020 wurden nach Tokio vergeben. Almaty oder Peking würden einen olympischen Gastgeber-Hattrick Asiens komplett machen.

Die angedachten Reformen der olympischen Agenda 2020, die Anfang Dezember verabschiedet werden sollen, würden Lösungen anbieten, wie die Kosten für die Durchführung von Spielen und die Bewerbung reduziert werden können.

Die Bewerbung Oslos ist nach Einschätzung der norwegischen Regierung vor allem an der ausbleibenden Begeisterung der Bevölkerung gescheitert. «Meiner Meinung nach war es der mangelnde Enthusiasmus, der alle anderen Argumente überschattet hat», sagte der kulturpolitische Sprecher der regierenden Konservativen, Svein Harberg, dem norwegischen Fernsehen am Donnerstag.

Am Abend zuvor hatte die Kommune ihren Antrag auf eine Staatsgarantie zurückgezogen, nachdem sich eine Mehrheit in der Koalition gegen die Bewerbung abgezeichnet hatte. Das Projekt war in der Bevölkerung von Anfang an auf wenig Gegenliebe gestoßen. Bei einer Abstimmung im vergangenen Jahr hatten sich die Norweger nur ganz knapp für die Bewerbung um die Austragung entschieden. Vielen waren dabei vor allem die hohen Kosten ein Dorn im Auge.

Die Stimmung gegen das IOC und den Olympia-Gigantismus wurde durch einen Vorfall bei den Spielen in Sotschi im Februar genährt. Norwegens IOC-Mitglied Gerhard Heiberg erklärte im Sender NRK, dass das Verbot zum Tragen eines Trauerflors für die norwegische Damen-Langlaufstaffel nach dem Tod des Bruders einer der Sportlerinnen in der Bevölkerung auf Unverständnis gestoßen sei.

Zahlreiche norwegische Sportprofis reagierten allerdings enttäuscht auf das endgültige Nein. «Das ist wirklich schade», sagte Biathlet Emil Hegle Svendsen dem Fernsehsender NRK. Die Freestyle-Skifahrerin Tiril Sjåstad Christiansen meinte, für sie sei ein Traum geplatzt. «Wir haben eine einzigartige Chance verpasst, den norwegischen Wintersport zu fördern.»