Nena: Ich erzähle gerne von früher

Nena (54) meldet sich zurück. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München spricht die Sängerin über das Älterwerden, den Blick zurück und über das, was früher besser war.

Nena: Ich erzähle gerne von früher
Nena: Ich erzähle gerne von früher

Frage: Ihr neues Album heißt «Oldschool», da singen Sie zum Beispiel: «Ich bin oldschool und das ist gut so.» Eine Kampfansage an den Jugendwahn?

Antwort: «Oldschool» ist für mich ein ganzheitliches Gefühl, das die Vergangenheit in die Gegenwart holt. Vergangenes schwingt ja immer mit. Ich dachte mal, dass ich alles, was ich erlebt habe, irgendwo parken kann. Mit 25 hab ich gesagt: Mensch, lass uns doch nicht über gestern sprechen - das ist vorbei. Als ich älter wurde, habe ich das dann irgendwann mal geschnallt. Was ich erlebt habe, ist ein Teil von mir. Und mich von meiner Vergangenheit trennen zu wollen, heißt auch, mich selber nicht zu schätzen für das, was bisher war.

Frage: Aber oft ist es leichter, sich mit dem, was man erlebt hat, nicht ständig auseinanderzusetzen.

Antwort: Klar, es ist leichter. Ich finde auch, es ist richtig, mal etwas hinter sich zu lassen. Solange man nicht in der Illusion lebt, dass es sich alles in Luft aufgelöst hat, nur weil man nicht mehr drüber spricht. Es wird sowieso irgendwo wieder hochkommen.

Frage: Hat sich Ihre Einstellung zur Zeit, zu Vergangenheit und Gegenwart, im Laufe der Jahre gewandelt?

Antwort: Früher habe ich oft über das «Hier und Jetzt» geredet. Dass man nicht planen und nicht zurückschauen sollte. Inzwischen denke ich: Wir sind sowieso immer im Jetzt, wir haben gar keine andere Wahl. Es gibt immer den Moment. Und der Moment ist ewig. Bei dem einen dauert der Moment 70 Jahre oder 80, 90, 100. Und bei manchen Menschen auch nur eine ganz kurze Strecke. Ich hab das für mich jetzt erstmal geklärt.

Frage: Schauen Sie viel auf die Uhr?

Antwort: Ich trage gar keine Uhr. Ich habe ein ganz gutes Zeitgefühl, wache morgens meistens früh auf, wenn alle noch schlafen. Ich liebe das! Dann bin ich allein und wandere in den Tag hinein, bis es hell wird. Gerne auch mal morgens um fünf durch den Wald. Morgens kann ich gut nach innen gehen und mein Bedürfnis nach Ruhe ausleben.

Frage: Die neuen Songs klingen, als wären Sie völlig mit sich im Reinen. Und doch geht es viel um das, was mal war. Ist da auch ein bisschen Wehmut im Rückblick auf die vergangenen Jahre?

Antwort: Zeitreisen sind schön und ich erinnere mich gerne. Es macht auch mal Spaß, am Feuerchen zu sitzen und alte Geschichten zu erzählen. Meine Kinder fragen mich manchmal nach meinen Liedern von früher und ich erzähle gerne. Aber wehmütig macht mich das nicht.

Frage: Sie sind also keine, die sagt: Früher war alles schöner?

Antwort: Ach, es gibt schon ein paar Dinge, die ich damals schöner fand.

Frage: Was denn?

Antwort: Zum Beispiel den Potsdamer Platz in Berlin. Ich kenn’ den noch so als Sandplatz, ohne Beton. Wenn ich dort heute vorbeifahre, werde ich doch ein bisschen wehmütig. Da habe ich die ersten Fotos mit Jim Rakete gemacht. Als ich nach Berlin kam, war der Potsdamer Platz mit seinem endlos weiten Himmel ein Ort für mich, wo ich einfach jeden Tag einmal hin musste.

Frage: Und was ist schöner heute im Gegensatz zu den Achtzigern?

Antwort: Ich steh auf Technik und elektronische Musik, aber das hat's in den Achtzigern ja auch schon gegeben. Da waren die Geräte nur größer und schwerer.... Und Platten leg ich mir immer noch gerne auf.

ZUR PERSON: Nena, eigentlich Gabriele Susanne Kerner, wurde am 24. März 1960 in Hagen in Nordrhein-Westfalen geboren. Ihr Durchbruch gelang der damals gerade 23-Jährigen 1983 mit dem Popsong «99 Luftballons», durch den sie mit ihrer Band weltweit bekanntwurde. Nena ist inzwischen dreifache Großmutter und lebt in Hamburg.