Nero-Ausstellung will römischen Kaiser in neuem Licht zeigen

Er aß gerne Flamingozungen und ließ sich mit Rosenblättern beregnen. Aber Rom hat Kaiser Nero (37 bis 68 n. Chr.) wohl doch nicht angezündet. Das und vieles mehr will eine große Ausstellung über den Imperator vom 14. Mai bis 16. Oktober 2016 in Trier an drei Standorten klarstellen.

Nero-Ausstellung will römischen Kaiser in neuem Licht zeigen
Harald Tittel Nero-Ausstellung will römischen Kaiser in neuem Licht zeigen

«Die erste Nero-Ausstellung in Mitteleuropa soll den Kaiser in neuem Licht zeigen», sagt der Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Marcus Reuter. Dafür werde alles zusammengetragen, was es zu Nero gebe: Rund 700 Exponate aus mindestens 15 Ländern. Diese werden in drei Trierer Museen auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern zu sehen sein.

Bereits 37 nationale und 37 internationale Leihgeber seien mit im Boot, darunter die Vatikanischen Museen in Rom, der Louvre in Paris und das Britische Museum in London. «Das Konzept steht, jetzt geht es ans Feintuning», sagt Reuter. Es werde eine einzigartige Schau. «Eine, wie es sie in den nächsten Jahrzehnten auch nicht mehr geben wird.»

Die Ausstellung soll alle Facetten von Neros Persönlichkeit zeigen: vom jungen Herrscher, der von seiner Mutter Agrippina mit 17 Jahren ins Amt gehievt wurde, über den Künstler, der als Schauspieler oder Musiker auf der Bühne stand, bis hin zum mörderischen Tyrannen, der immer realitätsfremder wurde.

Neros Name werde heute meist nur mit Größenwahn, Grausamkeit und Verschwendungssucht verknüpft, sagt Reuter. Dabei seien die ersten Jahre seiner Herrschaft sehr erfolgreich gewesen, beim Volk war er sogar beliebt. «Wir wollen ihn nicht rehabilitieren, aber einen objektiveren Blick auf ihn werfen.»

Heißt auch, mit alten Mythen aufzuräumen: Etwa, dass Nero im Jahr 64 Rom anzünden ließ. Die Wissenschaft sei sich heute einig, dass es nicht so war. «Er war damals gar nicht in Rom», sagt Reuter. Zudem habe das Feuer schnell seinen eigenen Palast zerstört, mit seiner «geliebten Kunstsammlung» darin.

Im Rheinischen Landesmuseum Trier, dem Hauptstandort der Schau unter dem Titel «Nero - Kaiser, Künstler und Tyrann», sollen auch originale Asche und Schutt vom Brand in Rom zu sehen sein. Die Schau trägt neben antiken Porträts Kostbarkeiten aus Gold und Silber sowie edle Mosaike zusammen. Ein Höhepunkt sei die weltweit einzige Statue, die den jungen Nero zeige - aus reinem Marmor.

Auch der überbordende Luxus, den man Nero vorwerfe, sei damals für die gesamte Oberschicht üblich gewesen, sagt der Direktor. «Da ist er wirklich ein Kind dieser Zeit. Die ganze Aristokratie schmeißt damals mit Geld nur so um sich.»

Das Landesmuseum widmet sich mit 400 Exponaten auf 1000 Quadratmetern Neros Leben, seiner Herrschaft und den Folgen. Das Stadtmuseum Simeonstift beschäftigt sich mit Nero in Bildern - von den frühesten Darstellungen des Mittelalters bis zum Nero-Bild jüngerer Zeit in Fotografien, Filmen und Opern. Und im Museum am Dom steht Neros Verhältnis zu den Christen mitsamt deren Verfolgung im Fokus.

Das Nero-Projekt sei die größte von der Landesregierung geplante Schau seit der Ausstellung über den spätrömischen Kaiser «Konstantin den Großen» 2007 in Trier, sagt der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Walter Schumacher (SPD). Das Budget der Landesausstellung beläuft sich laut Kulturministerium auf rund 3,2 Millionen Euro. Gut zwei Millionen Euro entfielen auf das Landesmuseum.

Auch wenn Nero selbst nie im Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz war, hatte seine Herrschaft (54 bis 68 n. Chr.) gravierende Auswirkungen auf Rhein und Mosel: Nach seinem Tod brach ein innerrömischer Bürgerkrieg aus, bei dem Trier und Mainz wichtige Brennpunkte waren.

Trier sei als einstige Römerstadt für die Ausstellung prädestiniert, sagt Reuter. Trier war 17 vor Christus als «Augusta Treverorum» gegründet worden und will die älteste Stadt Deutschlands sein. Von Trier aus wurde in der Spätantike fast 100 Jahre lang ein Gebiet verwaltet, das von Marokko bis Schottland reichte.