Neuanfang mit Rückkehrer: Pilic als DTB-Berater

Niki Pilic wird in der ersten Reihe sitzen. Von einem Platz gleich hinter der Spielerbank mit Teamchef Michael Kohlmann wird der erfahrene Rückkehrer die Davis-Cup-Matches der deutschen Tennis-Herren begleiten.

Den wichtigsten Posten für den angestrebten Neuanfang nach dem Missverständnis mit Carsten Arriens besetzten die Verantwortlichen des Deutschen Tennis Bundes mit Kohlmann, einer internen Lösung zunächst für dieses Jahr. Allein haben sie dem 41-Jährigen die Aufgabe aber wohl nicht zugetraut - und ihm deswegen in dem 75-jährigen Pilic einen Erfolgsgaranten aus den glorreichen Zeiten mit Boris Becker an die Seite gestellt.

«Michael Kohlmann wird auf der Bank sitzen und das Team aufstellen. Aber er wird hören wollen, was ich denke», erklärte Pilic dem «Tennismagazin». Halbe Sachen seien nicht sein Ding. Von «morgens bis abends» werde er sich dem neuen Posten widmen.

So kurz nach der selbst für Pilic überraschenden Entscheidung haben sich die beiden neuen starken Männer noch nicht ausgetauscht. Die Zeit drängt. Schließlich sollen sie den Zwist um Philipp Kohlschreiber lösen und die triste Gegenwart im deutschen Herren-Tennis aufhellen. Rund drei Wochen bleiben bis zur Erstrunden-Partie gegen Vorjahres-Finalist Frankreich. Schon «in den nächsten Tagen» werde man sich besprechen, kündigte Pilic an.

Eng soll der Kroate die gesamte Woche vor der Partie die Mannschaft begleiten, so stellt sich auch Kohlmann die Zusammenarbeit vor. Selbst während des Trainings wird er sich in der Halle Eindrücke verschaffen. «Sicherlich werde ich bei den Trainingseinheiten auch auf dem Platz stehen. Vielleicht nicht mit Schläger, aber ich werde mir alles anschauen», meinte Pilic sogar.

Er ist die schillernde Figur im neu zusammengestellten Davis-Cup-Betreuerstab. 1988, 1989 und 1993 holte er als Kapitän die begehrteste Trophäe im Mannschafts-Tennis nach Deutschland. 2005 gewann er sie mit Kroatien, 2010 als Berater von Serbien.

«Ich freue mich, viel von ihm zu lernen», bekannte Kohlmann. «Über ihn muss man nicht viele Worte verlieren. Wenn man die Chance hat, mit ihm zusammenzuarbeiten, wäre es blöd, das nicht zu tun.» Patrik Kühnen, ebenfalls ehemaliger Davis-Cup-Teamchef, glaubt: Pilic kehrt in einer Rolle zurück, die «Michi Kohlmann gut tun wird».

Gemeinsam wollen Kohlmann und Pilic eine Lösung mit Spitzenspieler Kohlschreiber suchen. Möglich schnell wolle er sich mit dem besten deutschen Tennisprofi unterhalten, kündigte Kohlmann an. «Ich sehe keinen Grund, warum er nicht spielen sollte. Kohlschreiber ist unser wichtigster Mann», erklärte Pilic. «Ich kenne ihn sehr gut und bin sicher, dass man eine gute Basis schaffen kann, um ihn wieder in das Team zu integrieren.»

Vor rund einem Jahr spielte Kohlschreiber letztmals für die deutsche Auswahl. Beim Erstrunden-Sieg gegen Spanien hatten sich am Abschlusstag in Frankfurt Tommy Haas, Florian Mayer und Kohlschreiber mit ärztlichen Attesten abgemeldet und die Zuschauer damit verärgert. Der Augsburger wurde aus dem Team ausgeschlossen, der Zwist mit Arriens blieb ungelöst. Kohlmann will sich über die Aufstellung für die Herausforderung gegen Frankreich mit seinem Stab beraten. «Am Ende werde ich die Mannschaft aufstellen und die Verantwortung übernehmen», stellte Kohlmann klar.

Wenn die deutschen Tennis-Herren vom 6. bis 8. März in Frankfurt am Main um eine Sensation kämpfen, wird neben Pilic in der Box noch eine ganze Reihe Prominenter mitfiebern: der frühere Hallen-Weltrekordler im Hochsprung, Carlo Thränhardt, als Fitness- und Mentalcoach, der renommierte Klaus Eder als Physiotherapeut, Klaus Eberhard als Sportdirektor. Der neue Co-Trainer Dirk Dier kennt den Teamspirit von den Damen im Fed Cup, denen er auch erhalten bleibt. Genau diesen besonderen Zusammenhalt erhoffen sich die Verantwortlichen nun auch bei den Herren. «Aufbruchsstimmung im Deutschen Tennis Bund», betitelte der DTB seine einseitige Erklärung.