Neue Ausgabe von «Charlie Hebdo» - Ansturm auf Verkaufsstellen

Auf die Verkaufsstellen des französischen Satiremagazins «Charlie Hebdo» hat es am Mittwoch einen riesigen Ansturm gegeben.

Neue Ausgabe von «Charlie Hebdo» - Ansturm auf Verkaufsstellen
Yoan Valat Neue Ausgabe von «Charlie Hebdo» - Ansturm auf Verkaufsstellen

An etlichen Zeitungskiosken in Paris und anderen Städten des Landes war die erste Ausgabe des Blattes seit dem Attentat auf die Redaktion innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Viele Stammkunden hätten sich schon im Vorfeld Exemplare reserviert, berichteten Verkäufer nach dem Verkaufsstart in den frühen Morgenstunden.

In der jüngsten Ausgabe des Magazins machen sich die überlebenden Macher von «Charlie Hebdo» unter anderem über die islamistischen Terroristen lustig, die am vergangenen Mittwoch bei einem Angriff auf die Reaktion zwölf Menschen erschossen hatten. In Karikaturen werden sie als geistig minderbemittelte Idioten der Lächerlichkeit preisgegeben.

In einer Zeichnung wird beispielsweise darauf angespielt, dass einer der Attentäter bei einem Entsorgungsbetrieb arbeitete. In der Karikatur steht der Abfallsortierer ratlos vor zwei Mülltonnen, von denen eine die Aufschrift «Gut» und die andere die Aufschrift «Böse» trägt. «Das ist zu kompliziert», steht dazu in der Sprechblase. In einer anderen Karikatur fragen die von der Polizei getöteten Attentäter im Himmel nach Jungfrauen, die sie von Gott als Belohnung für ihren Terrorangriff erwarten. Die seien alle beim Team von Charlie, wird ihnen aus einer Wolke zugerufen, in der eine wilde Party steigt.

Die noch lebenden Macher des Blattes wollen international insgesamt drei Millionen Exemplare vertreiben. Der Inhalt wird dafür auch ins Englische, Arabische und weitere Sprachen übersetzt. An Kiosken in Deutschland wird das Blatt spätestens am Wochenende erhältlich sein. Eine deutsche Fassung war zunächst nicht geplant.

Das Titelbild der «Charlie-Hebdo»-Ausgabe zeigt erneut eine Mohammed-Zeichnung. Über ihr steht in großen Buchstaben «Tout est pardonné» (Alles ist vergeben). Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch Mohammed bildlich dargestellt werden. Frühere, zum Teil sehr derbe Mohammed-Karikaturen von «Charlie Hebdo» gelten als Hintergrund des Terrorangriffs auf die Redaktion. Bei ihm starb auch Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier (47) alias Charb.

Ägyptische Islamgelehrte reagierten mit scharfer Kritik auf die angekündigte neue Ausgabe. Diese «ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit» werde eine neue Welle des Hasses auslösen, erklärte die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta in Kairo. Die Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) hatte zuletzt im Internet mit weiteren Angriffen auf Frankreich gedroht.