Neue Berichte über Details des Flugzeug-Absturzes

les-Alpes (dpa) - Im Cockpit des abgestürzten Germanwings-Flugzeugs soll nach Medienberichten zum Unglückszeitpunkt nur ein Pilot gewesen sein.

Der zweite Pilot soll das Cockpit vor dem Sinkflug verlassen haben und danach vor verschlossener Tür gestanden haben - das berichteten die «New York Times» und die französische Nachrichtenagentur AFP am Morgen unter Berufung auf namentlich nicht genannte Ermittler, die den Sprachrekorder der Maschine ausgewertet hätten.

Vor der Lufthansa gab es dazu am Morgen weder eine Bestätigung noch ein Dementi. «Wir stehen aber in ständigem Austausch mit den zuständigen Behörden», sagte eine Konzernsprecherin der Deutschen Presse-Agentur dazu weiter. Auch Germanwings bestätigte die Berichte zu der verschlossenen Cockpit-Tür zunächst nicht. «Die Ermittlung der Unfallursache obliegt den zuständigen Behörden», erklärte die Lufthansa-Tochter.

Von der französischen Untersuchungsbehörde BEA war in der Nacht zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der Staatsanwalt von Marseille kündigte für den frühen Nachmittag eine Pressekonferenz auf dem Flughafen Marignane an.

Zu Beginn des Flugs hätten sich die Piloten noch normal auf Deutsch unterhalten, berichtete AFP. «Dann hört man das Geräusch, wie ein Sitz zurückgeschoben wird, eine Tür, die sich öffnet und wieder schließt, Geräusche, die darauf hindeuten, dass jemand gegen die Tür klopft. Und von diesem Moment an bis zum Crash gibt es keine Unterhaltung mehr», zitiert die «New York Times» ihre Quelle.

«Der Mann draußen klopft leicht an die Tür, aber es gibt keine Antwort», zitiert die US-Zeitung weiter. «Dann klopft er stärker an die Tür, und wieder keine Antwort. Es gibt keine Antwort. Und dann kann man hören, wie er versucht, die Tür einzutreten.» Sicher sei, dass der andere Pilot schließlich allein gewesen sei und die Tür nicht geöffnet habe, habe einer der Ermittler erklärt.

Am späten Mittwochnachmittag waren die ersten Opfer des Unglücks geborgen worden. Die Überreste seien von der Unglücksstelle weggebracht worden, bestätigte ein Polizeisprecher in Digne. Wie viele Leichen bereits geborgen wurden, ließ er offen. Als es am Abend dunkel wurde, wurde die Suche nach den Getöteten vorübergehend eingestellt.

Am Morgen ging der Bergungseinsatz weiter. Helikopter landeten in Seyne-les-Alpes, um Spezialkräfte an die Unglücksstelle zu fliegen. Im Mittelpunkt stand die Suche nach dem zweiten Flugschreiber. Außerdem hat die Bergung der Leichen begonnen. Neben der Bergrettung sind Soldaten und Feuerwehrleute an dem Einsatz beteiligt.

Die Lufthansa kündigte an, Familien und Freunde der deutschen und der spanischen Opfer am Donnerstag mit Sonderflügen nach Marseille zu bringen. Die Verwaltungen in den Gebirgsorten bereiteten sich darauf vor, die Angehörigen in Empfang zu nehmen. Der Deutsche Bundestag wollte am Vormittag der Opfer des Unglücks gedenken.

Der A320 mit der Flugnummer 4U9525 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als er über Südfrankreich minutenlang an Flughöhe verlor und am Bergmassiv Les Trois Evêchés zerschellte. An Bord waren unter anderem 72 Deutsche, wie Germanwings-Chef Thomas Winkelmann am Donnerstag gesagt hatte. Aus Spanien stammten nach Angaben aus Regierungskreisen in Madrid 51 Opfer. Zudem waren Passagiere aus Australien, Argentinien, Iran, Venezuela, den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Kolumbien, Mexiko, Japan, Dänemark, Belgien und Israel in dem Flugzeug.