Neue Enthüllungen bringen Fußball-WM weiter in Misskredit

Das deutsche Sommermärchen bekommt immer neue Kratzer. Immer klarer wird, das es rund um die WM 2006 nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.

Neue Enthüllungen bringen Fußball-WM weiter in Misskredit
Marcel Mettelsiefen Neue Enthüllungen bringen Fußball-WM weiter in Misskredit

Die einstigen Freunde aus dem WM-OK scheinen längst zerstritten. Vor allem DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gerät weiter in Bedrängnis, weil er als einziger noch ein Amt bekleidet.

Ist Wolfgang Niersbach nach seiner zum Teil bizarren Pk und den neuen Vorwürfen von Theo Zwanziger als DFB-Präsident noch zu halten?

Intern bekam der angeschlagene Niersbach am Freitag Rückendeckung, das DFB-Präsidium mit den Vertretern der Deutschen Fußball Liga stellte sich hinter ihn. Doch dabei dürfte es sich wohl nur um eine Unterstützung auf Zeit handeln. Durch die neuen Vorwürfe von Zwanziger wird das Ansehen von Niersbach weiter beschädigt. Auf lange Sicht wird er sich kaum im Amt halten können.

Was bewegt Theo Zwanziger dazu, seinen Vorgänger im Amt des DFB-Präsidenten derart zu attackieren?

Zwanziger scheint es um persönliche Rache zu gehen. Der 70-Jährige hat nie verwunden, dass er nach großer Kritik offenbar zu einem Rücktritt als DFB-Präsident gedrängt wurde und Niersbach seine Nachfolge antrat. Zwanziger gibt sich oft als Mann von Ethik und Moral, doch auch er ist in die dubiosen Machenschaften rund um die WM 2006 tief verstrickt. Dabei scheint er wissentlich in Kauf zu nehmen, das auch sein Image weitere Kratzer bekommt. Hauptsache sein Nachfolger bekommt Probleme.

Wie geht es jetzt weiter?

Vor allem die Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer ist jetzt gefragt, die für den Deutschen Fußball-Bund die externen Ermittlungen führt. Aber auch die FIFA-Ethikkommission wird nach den neuesten Entwicklungen nicht umhin kommen, Ermittlungen aufzunehmen. Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball hat eine lückenlose Aufklärung gefordert, wohlwissend, «dass wir Wochen, Monate und vielleicht noch sehr viel länger mit diesem Thema befasst sein werden». Die Staatsanwaltschaft Frankfurt sprach am Freitag weiter von einem «Beobachtungsvorgang». Es ist aber nicht auszuschließen, das auch sie jetzt aktiver wird.

Was sagt die Schlüsselfigur Beckenbauer zu den ganzen Vorkommnissen?

Weiter nichts. Beckenbauer hat sich bislang dafür entschieden, öffentlich zu schweigen. Seinen Auftritt bei der Gala im Dortmunder Fußballmuseum sagte er ab. Der 70-Jährige, der sonst keine Kamera scheut, bleibt abgetaucht. Dabei wird der Fußball-Kaiser immer mehr zur Schlüsselfigur in dem Fall. Schließlich soll er mit FIFA-Boss Joseph Blatter den 6,7-Millionen-Deal unter vier Augen ausgehandelt haben, was der Schweizer jedoch bestreitet. Bislang will Beckenbauer nur der DFB-Untersuchungskommission Rede und Antwort stehen, wie sein Management mitteilte.

Und die FIFA mit Boss Joseph Blatter an der Spitze?

Die wies die Aussagen von Niersbach nach erstem Kenntnisstand als falsch zurück. Es entspreche in keinster Weise den FIFA-Standardprozessen und Richtlinien, dass die finanzielle Unterstützung von WM-OKs an irgendwelche finanziellen Vorleistungen seitens des jeweiligen OKs oder seines Verbandes gekoppelt sei, hieß es. Zudem sei 2002 kein Geldeingang in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken registriert worden. Auch Blatter erklärte am Donnerstag sofort, er sei mit einem solchen Vorgang nicht betraut gewesen und wollte damit von einem angeblichen Vier-Augen-Gespräch mit Beckenbauer in dieser Sache nichts wissen. Zu den neuen Zwanziger-Aussagen äußerte sich die FIFA bislang nicht.

Doch welche Rolle spielte die FIFA wirklich?

Der zeitliche Kontext der Dreyfus-Überweisung im Januar 2002 ist zumindest interessant. Schließlich tobte zu diesem Zeitpunkt ein erbitterter Präsidentschaftswahlkampf zwischen Blatter und dem Kameruner Issa Hayatou. Blatter musste sich schon damals heftiger Korruptionsvorwürfe erwehren, setzte sich bei der Wahl im Sommer 2002 aber doch überraschend deutlich gegen Hayatou durch. Auch weil es ihm gelungen war, den Großteil der Europäer und auch den DFB hinter sich zu vereinen.