Neue Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa

Bei einem neuen Schiffsunglück vor der italienischen Insel Lampedusa sind am Freitag Dutzende Flüchtlinge ums Leben gekommen. Nach maltesischen Regierungsangaben starben mindestens 26 Menschen, bestätigte der maltesische Regierungschef Joseph Muscat am Abend.

Neue Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa
Malta Navy Press Office / Handou Neue Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete nach Angaben von Rettungsteams, 33 Flüchtlinge seien tot geborgen worden, 22 davon allein von Zollkreuzern der italienischen Finanzpolizei.

Mehr als 200 Menschen wurden nach diesen Medienberichten gerettet. Eine offizielle Bestätigung der italienischen Behörden lag zunächst nicht vor. Italienische und maltesische Rettungskräfte waren vor Ort.

Nach Angaben von Ansa und italienischen Zeitungen befanden sich unter den Toten auch etwa zehn Kinder. Offiziell wurde dies noch nicht bestätigt. Rund 200 Menschen wurden nach diesen Medienberichten gerettet. Demnach nahm ein maltesisches Schiff 150 Menschen auf, 56 weitere wurden von der Mannschaft eines italienischen Marineschiffes in Sicherheit gebracht.

Italienische und maltesische Rettungskräfte waren zur Unglücksstelle geeilt. Die Einsatzkräfte berichteten nach Angaben der maltesischen Regierung, es seien Menschen mit und ohne Schwimmwesten ins Wasser gesprungen, nachdem das Schiff zwischen Malta und der Insel Lampedusa gekentert war. Angeblich kam es dazu, als die Passagiere versucht hatten, ein maltesisches Patrouillenboot auf ihr Schiff aufmerksam zu machen.

Die maltesischen Behörden hätten am Nachmittag erste Berichte über ein Flüchtlingsschiff in Seenot bekommen, sagte ein Regierungssprecher am Freitagabend der Nachrichtenagentur dpa. Ein maltesisches Schiff sei als erstes am Unglücksort gewesen.

«Wieviel mehr Menschen müssen sterben, ehe gehandelt wird?» fragte der maltesische Regierungschef Muscat am Abend vor der Presse. «Malta und Italien arbeiten zusammen, und kommen sich in diesem Vorhaben ziemlich verlassen vor. Dies ist ein europäisches Problem.»

Zuvor sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström in einer Mitteilung, sie habe mit «Trauer und Sorge» die Rettungsoperationen verfolgt. «Diese erneuten schrecklichen Ereignisse geschehen, während wir noch die Tragödie von Lampedusa vor Augen haben.»

In den vergangenen beiden Tagen mussten Handelsschiffe im Mittelmeer fünf Flüchtlingsbooten mit zusammen mehr als 500 Migranten an Bord zu Hilfe kommen. Die italienische Küstenwache koordinierte am Donnerstag und Freitag die Rettungsaktionen für die Migranten auf den fünf Booten. Die Flüchtlinge wurden in sizilianische Hafenstädte gebracht, so nach Trapani und Porto Empedocle, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Die Zahl der geborgenen Opfer der Schiffstragödie vor Lampedusa in der vergangenen Woche stieg am Freitag auf 339, nachdem Taucher am Freitag insgesamt 28 weitere Opfer in der Nähe des Wracks entdeckten. Im Schiff sind keine Leichen mehr. Die Suche gehe jedoch außerhalb weiter, hatte die Küstenwache mitgeteilt. Die Bilanz ist damit noch immer nicht endgültig. 155 Flüchtlinge waren nach dem Schiffbruch gerettet worden, insgesamt 545 waren nach den Angaben von Überlebenden an Bord des Bootes gewesen.