Neue Terrorserie in Paris: Mindestens 60 Tote

Zehn Monate nach dem Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» ist Paris von einer beispiellosen Terrorserie erschüttert worden.

Neue Terrorserie in Paris: Mindestens 60 Tote
Ian Langsdon Neue Terrorserie in Paris: Mindestens 60 Tote

Bei Anschlägen an verschiedenen Orten wurden am Freitagabend nach Medienberichten mindestens 60 Menschen getötet. Präsident François Hollande gab in einer TV-Ansprache aus dem Elysée-Palast bekannt, dass mit sofortiger Wirkung der Ausnahmezustand gilt. Die Grenzen sollen geschlossen bleiben.

Eine Stunde nach Mitternacht war das genaue Geschehen immer noch nicht überschaubar. Nach Polizeiangaben gab es Angriffe an mindestens sieben verschiedenen Orten. Dazu gehörte auch die Umgebung des Stade de France, wo ein Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich stattfand. Im Stadion waren während der ersten Halbzeit zwei schwere Explosionen zu hören.

In einer der bekanntesten Konzerthallen der französischen Hauptstadt, dem «Bataclan» war auch nach Stunden noch eine Geiselnahme in Gang. Dort war am Freitagabend die amerikanische Rockband «Eagles of Death Metal» vor ausverkauftem Saal aufgetreten. Die Halle fasst 1500 Zuschauer. Die Angreifer schossen nach Zeugenberichten um sich und riefen «Allah ist groß». Dabei soll es viele Tote gegeben haben.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete in der Nacht, dass die Polizei mit dem Zugriff auf den Saal begonnen hatte. Die Gegend rund um das «Bataclan» war weiträumig abgeriegelt. Sie gehört zu den beliebtesten Ausgehvierteln der französischen Hauptstadt. An Freitagabenden sind dort besonders viele junge Leute unterwegs. Die Redaktion des Satireblatts «Charlie Hebdo», die im Januar von Terroristen überfallen worden war, ist nur wenige Straßenzüge entfernt.

Hollande appellierte an seine Landsleute, angesichts der neuen Anschläge zusammenzuhalten. «Die Terroristen wollen uns in Angst und Schrecken versetzen. Man kann Angst haben, man kann Schrecken verspüren», sagte der Präsident. «Aber dem Entsetzen steht eine Nation gegenüber, die weiß, wie sie sich verteidigt. Die weiß, wie sie ihre Kräfte sammelt. Und die einmal mehr wissen wird, wie sie die Terroristen besiegen wird.»

Das Militär wurde verstärkt, um weitere Anschläge zu verhindern. Alle Krankenhäuser der französischen Hauptstadt wurden in den Ausnahmezustand versetzt. Die Bevölkerung von Paris wurde aufgefordert, zu Hause zu bleiben. «Wir bitten Sie, die eigenen vier Wände nicht zu verlassen und auf Anweisungen der Polizei zu warten», hieß es einer Mitteilung der Polizei. Aus Sorge vor weiteren Anschlägen wurden mehrere Linien der Métro-Untergrundbahn geschlossen.

Das Länderspiel wurde trotz der Anschlagsserie nicht abgebrochen. Anschließend verließen die Zuschauer das Stadion nach Berichten eines dpa-Reporters ohne Panik. Viele waren ratlos. Kinder hatten Tränen in den Augen. Keiner wusste genau, was geschehen war. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der die erste Halbzeit an der Seite Hollandes im Stadion verfolgt hatte, zeigte sich entsetzt. «Wir stehen an der Seite Frankreichs», sagte Steinmeier.

Bundestrainer Joachim Löw reagierte mit großer Bestürzung und Betroffenheit auf die Ereignisse. «Wir sind alle erschüttert und schockiert», sagte Löw in der ARD. «Für mich tritt der Sport oder die Gegentore in den Hintergrund.» Teammanager Oliver Bierhoff sprach von «großer Unsicherheit, großer Angst und großer Betroffenheit» auch in der deutschen Kabine.

Die Anschlagsserie löste weltweit Entsetzen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: «Ich bin tief erschüttert von den Nachrichten und Bildern, die uns aus Paris erreichen. Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Opfern der offensichtlich terroristischen Angriffe, ihren Angehörigen sowie allen Menschen in Paris.» US-Präsident Barack Obama verurteilte die Anschläge als «abscheulichen Versuch», die Welt zu terrorisieren. «Wir werden tun, was immer auch getan werden muss, um diese Terroristen zur Verantwortung zu ziehen.»

In Frankreich galten bereits vor den Anschlägen seit diesem Freitag wieder verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Wegen «terroristischer Gefahr» und «Risiken für die öffentliche Ordnung» hatte die Regierung auch beschlossen, vor der Weltklimakonferenz die Grenzkontrollen wieder aufzunehmen. Die Klimakonferenz, zu der zahlreiche Spitzenpolitiker aus aller Welt erwartet werden, beginnt am 30. November.