Neue Töne: Iran verurteilt den Holocaust

Die neue iranische Führung hat sich von der Leugnung des Holocausts distanziert. «Wir verurteilen den Holocaust und das Massaker an Juden durch die Nazis», zitierte die iranische Nachrichtenagentur Tasnim den neuen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif.

Den Zionisten unter den Juden warf er jedoch vor, sie würden diesen Teil der Geschichte als Rechtfertigung ihrer eigenen Verbrechen in Palästina missbrauchen.

Der neue iranische Chefdiplomat setzte sich damit von Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad ab, der Anfang August aus seinem Amt geschieden war. Ahmadinedschad hatte weltweite Empörung ausgelöst, als er den Massenmord an sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges wiederholt anzweifelte und als Märchen bezeichnete.

Sarif schrieb bereits am Donnerstag im Kurzmitteilungsdienst Twitter: «Iran hat das nie geleugnet. Der Mann, der das tat, ist nun abgetreten. Frohes neues Jahr». Später wurde der Eintrag leicht geändert: «Der Mann, dem nachgesagt wurde, dass er das leugnet, ist nun abgetreten.»

Der Außenminister antwortete mit seinem Tweet der amerikanischen Autorin Christine Pelosi. Die Tochter der demokratischen Minderheitsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, hatte auf Sarifs zuvor gesendeten Gruß zum jüdischen Neujahrsfest geantwortet, das neue Jahr wäre noch schöner, wenn die Leugnung des Holocaustes beendet würde.

Auch Irans neuer Präsident Hassan Ruhani hatte am Mittwoch per Twitter «allen Juden» gleichermaßen zu deren Neujahrsfest Rosch Haschana gratuliert.

Seine Äußerungen und die Sarifs erscheinen als Teil einer Offensive, die Beziehungen zum Westen und zu Israel zu verbessern. Das offizielle Israel schwieg während der Feiertage zunächst. Allerdings wird Ruhani in Israel mit Misstrauen betrachtet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte ihn einen «Wolf im Schafspelz», der die internationale Gemeinschaft täuschen und weiter an einer Atombombe bauen wolle.

Auf die Frage, warum der Iran den Juden gratuliert habe, antwortete Sarif laut Tasnim: «Wir gratulieren ja auch den Christen zu deren Neujahr. Im Iran leben auch Juden, es gibt einen jüdischen Parlamentsabgeordneten, und unsere Verfassung respektiert den jüdischen Glauben. Wir hatten nie etwas gegen die Juden und das Judentum. Wir sind nur gegen die zionistische Minderheit und erlauben es ihr nicht, uns als Antisemiten und Kriegshetzer darzustellen.» Der Zionismus entstand Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Ziel, einen jüdischen Staat in Palästina zu errichten.

Außenminister Sarif ist mit sozialen Netzwerken bestens vertraut. Er twittert und nutzt auch Facebook. Präsident Ruhani hat nach Angaben eines Beraters kein eigenes Twitter-Konto. Mit seiner Genehmigung twittert aber ein Vertrauter.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), bezeichnete den Neujahrsgruß Ruhanis als «vorsichtiges Herantasten» des neuen Präsidenten an Israel. Noch sei kein wirklicher Fortschritt erreicht, Israel weiter sehr besorgt über das iranische Nuklearprogramms. «Andererseits halte ich es für klug, wenn Israel jetzt auch versucht, auf die Signale aus dem Iran zu achten», sagte Polenz. Sonst nehme man Veränderungen nicht wahr und könne nicht angemessen reagieren, sagte Polenz im Deutschlandradio Kultur.