Neuer hr-Intendant bietet Zeitungsverlagen Zusammenarbeit an

Manfred Krupp tritt am 1. März die Nachfolge von Helmut Reitze als Intendant des Hessischen Rundfunks (hr) an. Der Rundfunkrat wählte ihn für sechs Jahre an die Senderspitze. 21 Mitglieder des Aufsichtsgremiums stimmten für den derzeitigen hr-Fernsehdirektor, neun gegen ihn.

Neuer hr-Intendant bietet Zeitungsverlagen Zusammenarbeit an
Frank Rumpenhorst Neuer hr-Intendant bietet Zeitungsverlagen Zusammenarbeit an

Als größte Herausforderung im neuen Amt nannte der 59-Jährige den digitalen Wandel in den Medien. Fernsehen und Rundfunk müssen sich verstärkt darauf einstellen, dass vor allem junge Nutzer unabhängig von festen Sendezeiten Medien konsumieren wollten. «Da müssen wir uns besser aufstellen», sagte Krupp.

Den Zeitungsverlagen bot er eine Zusammenarbeit bei der Verwertung von Videos auf ihren Online-Seiten an. «Ich würde mir wünschen, wir würden unsere Fronten begradigen. Unsere gemeinsamen Gegner sind die großen internationalen Plattformen wie Netflix.»

Krupp war der einzige Kandidat, eine Findungskommission hatte im Dezember den amtierenden Fernsehdirektor und stellvertretenden Intendanten des Senders zur Wahl vorgeschlagen. Der gebürtige Troisdorfer krönt mit der Wahl seine hausinterne Karriere als Fernsehjournalist beim hr, die er 1984 als Volontär startete.

Der bisherige Intendant Helmut Reitze wird sich Ende Februar zwei Jahre vor Ablauf seiner dritten Amtszeit in den Ruhestand verabschieden. Der 63-Jährige hatte im November seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen angekündigt. Reitze führt den Sender seit 13 Jahren.

Krupp hat gemeinsam mit Reitze in den vergangenen Jahren die regionale Ausrichtung des hr vorangetrieben. Die Strategie verschaffte dem Sender Zuwachs an Zuschauern, Hörern und Online-Nutzern. Allerdings fehlen dem neuen Senderchef zum Amtsantritt 82 Millionen Euro im Etat, zudem drohen ihm angesichts einer möglichen Senkung der Rundfunkbeiträge Einnahmeverluste.

Die aktuelle Deckungslücke sei vor allem der anhaltenden Niedrigzinspolitik und dem dadurch erhöhten Aufwand für Rentenrückstellungen zuzuschreiben. «Wir werden nicht umhinkommen zu sparen, werden aber an Grenzen stoßen», sagte Krupp. Es sei daher auch notwendig, mit den Gewerkschaften über Modelle der Altersversorgung ins Gespräch zu kommen.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) würdigte die langjährige Erfahrung Krupps. Er habe ein gutes Gespür dafür, was die Menschen bewege. Torsten Schäfer-Gümbel, Fraktionschef der Landtags-SPD, nannte Erhalt und Ausbau der Qualität und Unabhängigkeit des hr als vorrangige Aufgaben für den neuen Senderchef. 

Der hr mit Hauptsitz in Frankfurt am Main beschäftigt eigenen Angaben zufolge rund 1550 Angestellte und 925 freie Mitarbeiter.