Neuer Terror in Frankreich: Mehr als 80 Tote

Immer wieder Frankreich: Zum dritten Mal innerhalb von anderthalb Jahren wird das Land von einem brutalen Terroranschlag erschüttert. In Nizza wurden mindestens 84 Menschen von einem mutmaßlichen Einzeltäter getötet.

Neuer Terror in Frankreich: Mehr als 80 Tote
Franck Fernandes Neuer Terror in Frankreich: Mehr als 80 Tote

Mehrere Dutzend schwebten noch in Lebensgefahr. Es wurde befürchtet, dass unter den Todesopfern auch eine Lehrerin und zwei Schülerinnen aus Berlin sind.

Der 31-jährige Mann - ein Franko-Tunesier, der bislang nur als Kleinkrimineller aufgefallen war - raste am Donnerstagabend kurz vor 23.00 Uhr mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge. Dort feierten gerade 30 000 Menschen auf dem Strand-Boulevard Promenade des Anglais den 14. Juli, Frankreichs Nationalfeiertag. Der Täter - selbst Vater von drei Kindern - wurde erst nach mehreren Minuten von der Polizei erschossen.

Möglicherweise wird sich die Zahl der Todesopfer noch deutlich erhöhen. Staatspräsident François Hollande berichtete, es befänden sich noch etwa 50 Menschen in akuter Lebensgefahr. Zugleich mahnte er, Frankreich habe den Terrorismus noch lange nicht besiegt. «Wir müssen alles tun, um die Geißel des Terrorismus zu bekämpfen.» Der Ausnahmezustand, der in Frankreich seit den Pariser Anschlägen vom November gilt, wird nun nochmals um drei Monate verlängert.

Unklar war zunächst aber, ob auch dieses Attentat einen islamistischen Hintergrund hat. Nach Auskunft von Nachbarn war der Mann zwar Muslim, galt aber nicht als gläubig. Ein Bekennerschreiben gab es zunächst nicht. Französischen Medien zufolge war der Täter nicht als radikal bekannt. Bislang sei der geschiedene Mann nur wegen Gewalttaten in der Ehe und Diebstahls auffällig geworden.

Das Attentat löste weltweit Ensetzen aus. Aus vielen Dutzend Ländern kamen Solidaritätsbekundungen mit Frankreich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte, über alle Grenzen hinweg im Engagement gegen «blinden Fanatismus» zusammenzustehen.

US-Präsident Barack Obama sagte: «Wir stehen in Solidarität und Partnerschaft an der Seite Frankreichs, unseres ältesten Alliierten.» Russlands Präsident Wladimir Putin mahnte: «Wir können den Terrorismus nur mit vereinten Kräften besiegen.» Die Teilnehmer des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in der Mongolei gedachten der Opfer in einer Schweigeminute.

Das Attentat hatte sich kurz vor 23.00 Uhr ereignet, als in Nizza gerade ein Feuerwerk zu Ende ging, wie dies zum 14. Juli in französischen Städten üblich ist. Auf der Promenade des Anglais, die für den Autoverkehr gesperrt war, sollen zu diesem Moment etwa 30 000 Menschen unterwegs gewesen sein. Auf einem Video ist ein weißer Lastwagen zu sehen, der trotz Absperrungen auf der Straße fährt - zunächst langsam nur, dann aber durchstartet.

Der Täter überrollte mit dem Lkw - ein 19-Tonner, der angemietet war - mehrere Dutzend Menschen. Nach Augenzeugenberichten fuhr er Zick-Zack, um möglichst viele Passanten zu töten. Erst nach mehreren hundert Metern - angeblich sogar zwei Kilometer - konnte er gestoppt werden. Die Polizei tötete ihn mit mehreren gezielten Schüssen. Nach Angaben der lokalen Behörden hatte er zuvor auch selbst mit einer Pistole um sich geschossen. Seine Ex-Frau wurde in Polizeigewahrsam genommen.

Unter den Opfern sind viele Kinder und mehrere Ausländer. Am Freitagnachmittag wurden auch zwei Schülerinnen und eine Lehrerin der Paula-Fürst-Schule in Berlin-Charlottenburg vermisst. Sie waren in Nizza auf Klassenfahrt. Berlins Regierender Bürgermeister Michel Müller (SPD) sagte: «Wir müssen leider auch davon ausgehen, dass Berliner unter den Opfern sind.» Vom Auswärtigen Amt gab es aber auch nach vielen Stunden keine Bestätigung dafür.

In Frankreich gilt bis Montag Staatstrauer. Premierminister Manuel Valls sagte: «Wir stehen einem Krieg gegenüber, den der Terrorismus gegen uns führt. Frankreich wird mit dem Terrorismus leben müssen, und wir müssen uns zusammenschließen.» Hollande und Valls waren am Nachmittag zusammen in Nizza, um sich vor Ort zu informieren.

Die Bundespolizei verstärkte ihre Kontrollen an den Grenzen zu Frankreich. Das Auswärtige Amt riet, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Lageentwicklung über die Medien zu informieren.

Frankreich war zuletzt wiederholt Ziel von Anschlägen. Bei islamistisch motivierten Attentaten waren im vergangenen Jahr 149 getötet worden, davon 130 bei der Pariser Terrorserie am 13. November. Im Januar 2015 starben 19 Menschen bei Angriffen auf die Satirezeitschrift «Charlie-Hebdo» und einen Supermarkt.

Während der Fußball-EM, die am Sonntag zu Ende gegangen war, hatten strenge Sicherheitsvorkehrungen gegolten. Entgegen der Befürchtungen gab es dann aber keinen größen Anschlag. Allerdings tötete ein Mann, der sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte, nahe Paris einen Polizisten und dessen Partnerin.