Neues Forschungszentrum für Kampf gegen Viren und Parasiten

Viren, Bakterien und Parasiten sollen in einem neuen Zentrum in Hamburg künftig auf molekularer Ebene durchleuchtet werden. Davon erhoffen sich die Wissenschaftler neue Behandlungsmöglichkeiten.

Neues Forschungszentrum für Kampf gegen Viren und Parasiten
Axel Heimken Neues Forschungszentrum für Kampf gegen Viren und Parasiten

In einem weltweit einzigartigen Zentrum in Hamburg wollen Forscher künftig die Struktur von Krankheitserregern entschlüsseln und neue Therapieansätze entwickeln. Auf dem Gelände des Deutschen Elektronen-Synchrotrons Desy soll das 50 Millionen Euro teure Zentrum für strukturelle Systembiologie (Centre for Structural Systems Biology, CSSB) entstehen. Den symbolischen ersten Spatenstich setzten am Mittwoch unter anderem Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) und Hamburgs Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD).

«Von 2016 an sollen dort insbesondere Viren, Bakterien und Parasiten auf molekularer Ebene durchleuchtet werden, um ihre Angriffsmechanismen zu enträtseln und maßgeschneiderte Medikamente dagegen entwerfen zu können», teilte Desy mit. Unter dem Dach des Zentrums wollen elf Forschungsgruppen den molekularen Ursachen von schweren Infektionskrankheiten wie Malaria oder Herpes auf den Grund gehen - wie greift ein Erreger eine Zelle an, und welche Eiweiße sind daran beteiligt?

Die Einrichtung werde die Infektionsbiologie voranbringen, sagte Prof. Chris Meier von der Universität Hamburg. Untersucht werden könne etwa, wie der Malariaparasit rote Blutkörperchen entert: «Dies ist ein extrem komplexer Vorgang, an dem nicht nur ein einzelnes, sondern eine Vielzahl von Proteinen beteiligt ist, und bei dem noch viele grundlegende Fragen zu klären sind.»

Die Bedeutung der Infektionsforschung nehme in der globalisierten Welt stetig zu, erklärte Wanka. «Bakterien und Viren haben heute viel mehr und schnellere Kontakt- und Verbreitungsmöglichkeiten. Nur wenn wir lernen, wie diese Krankheitserreger funktionieren, können wir uns effektiv vor ihnen schützen.»

An dem Zentrum beteiligen sich die Universität Hamburg, das Bernhard-Nocht-Institut, das Heinrich-Pette-Institut, die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE), das Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, das Forschungszentrum Jülich, das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie, die Medizinische Hochschule Hannover und Desy.