Neues Zentrum erforscht Gesundheit von Astronauten im All

In einem neuen Forschungszentrum in Köln wollen Wissenschaftler medizinischen Problemen von Raumfahrern weiter auf den Grund gehen. Die Anlage sei für zwölf Probanden ausgelegt, die isoliert wie bei Raumfahrtmissionen an bis zu acht Wochen langen Studien teilnehmen.

Das teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Donnerstag mit. Fragen seien etwa, wie sich eine Veränderung von Druck und Licht oder Kohlendioxid in der Luft auf die Astronauten auswirke. Die Anlage wird am 5. Juli eröffnet.

Die US-Weltraumbehörde Nasa habe bereits Interesse angemeldet, an einer Studie zu Sehstörungen von Astronauten nach ihrer Rückkehr mitzumachen. Die Ergebnisse seien für die Medizin insgesamt von Bedeutung und nicht nur in der Raumfahrt, sagte der Leiter der DLR Luft- und Raumfahrtmedizin, Rupert Gerzer. Das Zentrum envihab (environment habitat) beschäftige sich in acht Einheiten mit der Wechselwirkung von Mensch und Umwelt aus medizinischer, biologischer und psychologischer Sicht. Dazu gehört auch eine Druckkammer, in der Höhen bis zu 5500 Metern simuliert werden können.

Das Sehproblem von einigen Astronauten nach der Rückkehr aus dem All werde vermutlich durch einen erhöhten Hirndruck ausgelöst, sagte Gerzer. Das Phänomen hänge wohl mit der erhöhten Konzentration von Kohlendioxid zusammen. In einem Modul der Forschungsanlage könne das Luftgemisch für Versuchszwecke verändert werden.

Muskel- und Knochenschwund in der Raumfahrt wollen die Wissenschaftler mit der europäischen Weltraumagentur Esa erforschen. Probanden sollen dafür längere Zeit in einem Bett liegen, dessen Kopfteil nach unten geneigt ist. Ihr Bett dürfen sie selbst zum Duschen nicht verlassen. Auf den Körper wirke diese Situation wie Schwerelosigkeit, erläutern die Forscher. Zur Eröffnung des Zentrums hätten sich Vertreter von Raumfahrtbehörden aus China, den USA, Russland und der ESA angesagt.