Neureuther-Kritik nach Fiasko für DSV-Team

Am Mittwoch herrscht Ruhetag in den Rocky Mountains. Von beschaulicher Stimmung im deutschen WM-Ski-Team kann nach dem Fiasko im alpinen Team-Event aber nicht die Rede sein.

Neureuther-Kritik nach Fiasko für DSV-Team
Stephan Jansen Neureuther-Kritik nach Fiasko für DSV-Team

Erst die verpasste Medaille nach dem frühen Aus gegen Kanada, dann die harsche Kritik von Felix Neureuther am Trainerteam und als Tiefpunkt eines völlig misslungenen Tages auch noch die niederschmetternde Diagnose bei Veronique Hronek, die einen Kreuzbandriss erlitt. So kommt die Zeit zur Aufarbeitung im bislang noch medaillenlosen DSV-Team gerade recht.

Denn vor allem Neureuther hatte die Personalauswahl der Verantwortlichen erzürnt. «Wenn man eine Lena Dürr am Start hat, die Moskau gewonnen hat und die eine Slalom-Fahrerin ist, dann kann man nicht ganz nachvollziehen, dass...», sagte der 30-Jährige in Vail leicht angesäuert, ohne seinen Satz zu beenden. Die 23 Jahre alte Dürr hatte ihren einzigen Weltcup-Sieg vor knapp zwei Jahren beim Parallel-Slalom in der russischen Hauptstadt geholt, war in dieser Saison aber auf internationalem Spitzenniveau deutlich hinterhergefahren.

Anstelle von Dürr schickte die sportliche Leitung beim Deutschen Skiverband um Alpinchef Wolfgang Maier, Herren-Cheftrainer Mathias Berthold und Damen-Chefcoach Markus Anwander neben Neureuther und Youngster Linus Strasser in Viktoria Rebensburg und Hronek zwei Fahrerinnen auf den technisch anspruchsvollen Kurs, die beide im Weltcup keinen Slalom fahren oder lange nicht mehr gefahren sind, und die zuletzt ihre jeweils besten Leistungen in Abfahrt und Super-G gezeigt hatten. Zumindest in Rebensburgs Fall sicher nicht ganz berechtigt, schließlich gewann die 25-Jährige im Riesenslalom vor fünf Jahren in Vancouver Gold und vor einem Jahr in Sotschi Bronze.

Das Erstrundenduell mit den Kanadiern, die später im Finale gegen Österreich unterlegen waren, ging prompt verloren. Dass sich Hronek bei ihrem Einsatz auch noch derart schwer verletzte, passte fast schon ins Bild.

Anwander war von Neureuthers Kritik irritiert und erinnerte an die Zuständigkeiten. «Kann sein, dass der Felix da nicht glücklich drüber ist. Aber die Trainer stellen auf, das war unsere Entscheidung», sagte er. Hronek habe «einfach den besseren Eindruck hinterlassen in der letzten Zeit. Es hat sich ja auch bewahrheitet, dass sie das im Griff hat - bis zu dem Zeitpunkt, wo sie ausgeschieden ist.» Die 23-Jährige musste mit Schmerzen im linken Knie nach dem Parallelrennen ins Krankenhaus gebracht werden, dort wurde wie unmittelbar befürchtet ein Kreuzbandriss diagnostiziert. In dem Gelenk hatte Hronek bereits 2013 einen Innen- und Kreuzbandriss erlitten. Die Saison ist für sie damit beendet.

Ob es Dürr besser gemacht hätte? «Die ist beim Einfahren auch schon gut gefahren», berichtete Neureuther über die Freundin des leicht angeschlagenen Fritz Dopfer, der aus Vorsichtsgründen geschont wurde. Erst eine teaminterne Ausscheidung kurz vor der WM hatte ihr überhaupt das Nordamerika-Ticket gesichert. Ihren einzigen Auftritt dürfte sie jetzt kommenden Samstag beim Damen-Slalom haben.

Zumindest Neureuther konnte mit seiner eigenen Leistung beim ersten WM-Start dieser Titelkämpfe zufrieden sein. Der Gold-Anwärter für den Torlauf am Sonntag präsentierte sich in gewohnt starker Form und legte im Team-Wettbewerb die zweitbeste Einzelzeit aller Läufer hin. «Ich denke, dass das Fahren echt richtig gut gepasst hat», sagte der Partenkirchner, ehe er fix seine weiteren Medaillenchancen im Riesenslalom (Freitag) und Torlauf (Sonntag) ins Visier nahm. «Ich fühle mich gut, das habe ich auch gezeigt», sagte Neureuther, der das Gefühl mitnehmen will, «dass man heute sehr schnell war».