Neureuther nach Blech-Ärger voll konzentriert auf Slalom

Felix Neureuthers Frust über den undankbaren vierten Platz im Riesenslalom musste sofort den Aussichten auf seine letzte Medaillenchance bei der WM weichen.

Neureuther nach Blech-Ärger voll konzentriert auf Slalom
Stephan Jansen Neureuther nach Blech-Ärger voll konzentriert auf Slalom

«Es steht am Sonntag für mich das Rennen an, wo ich die besten Chancen habe. Da gilt es sich voll darauf zu konzentrieren», sagte der Skirennfahrer nachdem er um 0,22 Sekunden eine Plakette in Beaver Creek verpasst hatte.

So sah es auch Mathias Berthold. «Der Riesenslalom, das ist rum», sagte der deutsche Herren-Cheftrainer. «Ich denke, dass wir das nicht hier analysieren sollten. Das können wir dann zu Hause machen, wenn es zum nächsten Riesenslalom in Garmisch geht. Jetzt sollte die volle Konzentration auf den Slalom gehen.» Allein dieser Torlauf am Sonntag sei «jetzt wichtig».

Auf eine Jetzt-erst-Recht-Reaktion von Neureuther hofft der Österreicher dabei allerdings nicht. «Wenn er überpowert im Slalom, ich glaube, das wäre nicht gut», betonte der Coach. «Zu viel Attacke ist nicht notwendig. Er fährt so stark im Moment im Slalom, dass er ganz locker sein Ding durchziehen sollte.»

Fritz Dopfer, der als 15. das schlechteste Riesenslalom-Resultat seiner bislang so konstant starken Saison kassierte, erwartet unter normalen Umständen einen guten Tag für den Deutschen Skiverband. «Da muss man kein Prophet sein, dass wir da vorne mitreden können. Felix ist Erster in der Weltrangliste, ich bin Dritter. Von dem her haben wir die Vorleistungen schon gut gebracht», sagte der 27-Jährige. Neben ihm und Neureuther werden in Linus Strasser und Philipp Schmid noch zwei weitere Athleten fürs deutsche Team starten. «Aber am Tag X ist es wieder komplett was Neues, es geht bei Null los. Grundsätzlich können wir da mit breiter Brust rangehen», urteilte Dopfer.

Ted Ligety gelang das vor allem im Finale am Freitag, obwohl er im ersten Lauf noch 0,24 Sekunden Rückstand auf die Spitze hatte. Dann aber demonstrierte der US-Amerikaner dem begeisterten Heim-Publikum all seine Klasse und raste wie auf Schienen ins Ziel: mit Bestzeit.

Nachdem Ligety den USA die erste Goldmedaille der WM beschert und mit dem dritten WM-Titel im Riesenslalom in Serie einen Rekord aufgestellt hatte, sprach der 30-Jährige seinem Kumpel Neureuther Mut zu. «Wir haben ein tolles Verhältnis. Ich habe ihm gesagt, dass er das gewinnen soll am Sonntag. Er hat eine große Chance. Er ist jemand, den ich anfeuern werde», kommentierte Ligety - obwohl er selbst auch am Start des letzten WM-Rennens dieser Titelkämpfe in den Rocky Mountains stehen wird.

Neureuther selbst freute sich über das Gold Ligetys, der Marcel Hirscher aus Österreich und den drittplatzierten Franzosen Alexis Pinturault hinter sich ließ. «Er ist ein sehr großer Freund von mir. Deswegen: Ich habe ihm von Herzen gratuliert», sagte Neureuther. Was der nun mit insgesamt fünf WM-Titeln erfolgreichste Amerikaner bei Weltmeisterschaften ihm zugeflüstert hatte, wollte er zwar nicht verraten - aber das übernahm Ligety wenig später ohnehin selbst.

Hirscher verpasste Ligetys Botschaft an Neureuther knapp, gefallen haben dürften ihm die Wünsche für den WM-Zweiten im Slalom von 2013 aber kaum. Schließlich hat sich der 25-Jährige fest vorgenommen, nach Gold im Team-Event und der Alpinen Kombination seinen WM-Titel im Torlauf zu verteidigen.

Einen erneuten Zweikampf zwischen ihm und Neureuther erwartet Hirscher allerdings nicht zwingend. «Es gibt für den Sonntag unglaublich viele Favoriten», betonte er und meinte mit Bezug auf die bisherigen Torlauf-Weltcups: «Felix und ich haben je zwei Rennen gewonnen. In den restlichen gab es jeweils einen anderen Sieger. Das Feld ist momentan nicht abzustecken. Es wird sicher ganz schön spannend werden.»