Neuwahl in Griechenland drückt Stimmung an der Börse

Lange war es still um Griechenland, Anleger am deutschen Aktienmarkt hatten die Probleme in Athen fast verdrängt. Doch kurz vor Jahresschluss kehrt die Krisenangst ins Bewusstsein zurück.

Die anstehende Neuwahl für das griechische Parlament hat auch den deutschen Aktienmarkt am Montag belastet. Der Dax konnte sich nach einem turbulenten Vormittagsverlauf mittlerweile aber stabilisieren und notierte zuletzt 0,83 Prozent tiefer bei 9839,64 Punkten.

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen fiel zuletzt um 0,49 Prozent auf 16 939,55 Zähler und der TecDax der Technologiewerte büßte 0,68 Prozent auf 1363,32 Punkte ein. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone sank um 1,15 Prozent.

Die Athener Börse knickte indes bis zum Nachmittag um 5 Prozent ein. Allerdings war sie am Mittag, nachdem die Neuwahl feststand, zwischenzeitlich um mehr als 11 Prozent eingebrochen. Auch der Dax hatte zunächst mit einem Kursverlust von annähernd 1,5 Prozent auf die Nachricht reagiert, sich dann aber wieder berappelt.

Am Vormittag war die Wahl eines neuen griechischen Staatspräsidenten auch im dritten Anlauf gescheitert. Der Kandidat der Regierungskoalition, der frühere EU-Kommissar Stavros Dimas (73), verfehlte im Parlament am Montag die notwendige Mehrheit von 180 Stimmen. Nun finden vorgezogene Parlamentswahlen am 25. Januar statt. Umfragen zufolge kann das Linksbündnis Syriza unter seinem Chef Alexis Tsipras stärkste Kraft werden. Tsipras lehnt die Spar- und Reformpolitik der Regierung und der internationalen Geldgeber ab.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht trotz der angespannten politischen Lage in Griechenland keine erheblichen Gefahren für Europa: «Viele andere Krisenländer in Europa sind auf einem guten Weg, haben wichtige Reformen umgesetzt und sehen erste wirtschaftliche Erfolge.» Volkswirt Holger Schmieding von der Privatbank Berenberg sieht das ähnlich: Während Griechenland nun vor einem großen Problem stehe, seien die Herausforderungen für Europa handhabbar, sagte er. Die Eurozone verfüge mittlerweile über eine gut geölte Maschinerie, um mit Krisen umzugehen.

Das Verschwinden eines AirAsia-Flugzeugs in Südostasien hat Händlern zufolge die Aktien der Allianz um 1,54 Prozent nach unten gedrückt. Die Allianz ist nach eigenen Angaben wichtigster Rückversicherer der vermissten Airbus-Maschine. Auch die Papiere des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Airbus standen mit einem Verlust von gut 1,38 Prozent unter Druck.

Lanxess-Aktien haben zuletzt mit einem Minus von 0,70 Prozent auf den eingetrübten Ausblick des Spezialchemie-Konzerns reagiert. Lanxess-Chef Matthias Zachert hat die Anleger erneut auf schwierige Zeiten eingestimmt: Die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2014 lägen wohl eher am unteren Rand der Prognose, sagte er dem Handelsblatt (Montagausgabe).

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite börsennotierter Bundesanleihen von 0,51 auf 0,49 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 139,51 Punkte. Der Bund Future gewann 0,40 Prozent auf 155,62 Punkte. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2197 (Mittwoch: 1,2219) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8199 (0,8184) Euro.